Das erste Osterfest, das Papst Franziskus feierte, erinnert an einen Brauch, den Päpste in ihrem ersten und jeweils siebten Regierungsjahr pflegten: die Weihe von Agnus-Dei-Medaillen.
In Rom scheint sich ab dem 8. Jahrhundert der Brauch entwickelt zu haben, aus den Resten der alten Osterkerzen Medaillons mit dem Lamm Gottes sowie dem Namen und Porträt des jeweils regierenden Papstes zu gießen. Die runden oder ovalen Wachsscheiben wurden am Weißen Sonntag verteilt und erfreuten sich wachsender Beliebtheit, ganz besonders als sich seit dem 15. Jahrhundert die Päpste selbst die Weihe der „Agnus Dei“, wie die Medaillons genannt wurden, vorbehielten. Die Päpste gaben lange Zeit solche Andenken in ihrem ersten und in jedem siebten Regierungsjahr heraus. Das geweihte „Agnus Dei“ wurde häufig eingefasst, damit man es als Medaillon tragen oder in der Wohnung aufstellen konnte.
Wie im Stift Lambach (siehe Abbildung) wurde es auch zusammen mit Reliquien in einem Schrein hinter Glas aufbewahrt, der als Festtagsschmuck für einen der Seitenaltäre der Klosterkirche diente. Der Anblick, die Berührung oder der Kuss des dargestellten Lammes sollte zur Betrachtung der Geheimnisses der Erlösung anregen. Es wurde aber vor allem als Amulett angesehene, das als Schutz in vielen Nöten dienen sollte: gegen Blitz, Hagel, Donner, Seuchen, Sünden und für eine glückliche Geburt. Da die Grenze zum Aberglauben schmal, vermutlich zu schmal war, hat Papst Paul VI. nach dem Osterfest 1964 den Brauch aufgegeben.