Die Sehnsucht nach geglücktem Leben verbindet die Pfarre Garsten mit den Ursprüngen des benediktinischen Klosters. Die 500 Gäste, die zur Eröffnung des Festes „900 Jahre Abt Berthold“ am 1. Juli gekommen waren, lauschten fast ebenso still wie die 400 Engel an den Wänden und Altären der Barockkirche von Garsten. Mit Pater Anselm Grün begaben sie sich in die Schule benediktinischen Lebens. Eine Schule ist es, die Lust am Leben wecken will. „Das Ziel ist ein weites Herz“, leitete Anselm Grün seinen Vortrag ein. „Ein weites Herz, das bräuchten wir in der Kirche wieder neu, wo so vieles sich verengt.“ Mit dem Vortrag des berühmten Benediktinerpaters begann am 1. Juli abends das dreitägige Bertholdfest in Garsten.
Die Spur der Sehnsucht. Bis nach Mitternacht erlebten rund 50 Jugendliche sodann, wie interessant und ansprechend diese Gottsuche ins eigene Innere sein kann. Besonders stimmungsvoll wurde das „Spirituelle Midnight Special“ im Altarrraum der nur mit Kerzen beleuchteten Kirche erlebt. Die Jugendlichen taten, was auch die Mönche im Gefolge des hl. Berthold schon vor 900 Jahren taten: „Die Spur der Sehnsucht in uns wahrzunemen“ gehört zum benediktinischen Leben, meinte P. Anselm Grün. „Die Sehnsucht nach einem geglückten und heilen Leben in Freude verbindet uns mit den Anfängen vor 900 Jahren“, meinte Pastoralassistent Stefan Grandy. Ein Mönch ist einer, der sein Leben lang Gott sucht. Dass man bei dieser Gottsuche die Antworten nicht im Außergewöhnlichen suchen sollte, wurde am Sonntag beim großen Festgottesdienst deutlich.
Liebe öffnet die Welt. Der Abtprimas der Benediktiner Notker Wolf sprach in der Predigt über die „christliche Normalität“ des hl. Berthold, welche auch für die Christen heute Vorbild sein könne. Es gehe weniger um herausragende Leistungen, als vielmehr um die Liebe zu den Menschen, so der Abtprimas. Auch wenn sie schwerfällt – die Liebe gerade zu den Schwachen ist es, welche den Menschen eine „neue Welt“ öffnet. Konkret müsse sich das zeigen, indem die Türen des Klos-ters und der Kirche offen stehen für alle Menschen, die einen Zufluchtsort suchen. Notker Wolf betonte zudem Bertholds Engagement für die Gemeinschaft, vor allem im Sinne der benediktinischen Regel. In die wichtigen Entscheidungen sei demnach die ganze Gemeinschaft einzubinden, um herauszufinden, was der Hl. Geist will. „Nur in der Gemeinschaft können wir die Dinge bewältigen“, so Wolf. Mit dem Orgelkonzert des international renommierten Organisten Prof. Sander aus Heidelberg fanden die drei Festtage ihren Abschluss.