Ernst Achleitner, Geschäftsführer vom Sozialverein B37 in Linz, macht seit vielen Jahren im Südwesten der Insel Kreta Urlaub. Er verbindet dabei Urlaub und Tierschutz, denn er geht verletzten, ausgesetzten, gepeinigten Hunden nach.
Ammoudi und Camillo sind neugierig, wenn Besuch zu Ernst Achleitner ins Büro kommt. Sie schnuppern, wedeln mit dem Schwanz, sind freundlich. Nichts deutet darauf hin, dass sie eine schwere Zeit hinter sich haben.
Schwere Misshandlungen. Auf Ammoudi machten ihn voriges Jahr bei Plakias Urlauber aufmerksam. Ein offensichtlich verletzter Hund halte sich in der Ammoudi-Bucht auf. Nur nachts traue er sich aus seinem Versteck heraus, erzählten die Urlauber. Ernst und sein Urlaubs-, Namens- und Berufskollege Hansjörg Achleitner suchten und fanden den Hund. Dem vor Jahren zum Hundefreund gewordenen Ernst Achleitner gelang es in zwei Tagen, sich den Hund so vertraut zu machen, dass er sich angreifen ließ. Es fehlte weit bei ihm: lädiertes Kiefer, ein Loch im Bauch und ein deformiertes Hintergestell. Der Tierarzt stellte später fest, der Hund musste schwer misshandelt worden sein.
Mit nach Österreich. Ernst Achleitner kümmerte sich um die medizinische Erstversorgung des Hundes auf Kreta sowie seine spätere Behandlung in Österreich und pflegte ihn. Ihm wurde klar, dass er den Hund nicht mehr in der Bucht auslassen konnte/wollte, zumal ein einheimischer Bauer gemeint hat, das Problem mit dem Hund erledige sich im Herbst. Da käme nämlich sein Rottweiler zurück, der den Sommer über bei den Schafen auf der Weide sei. Die in der Region Finikas, zu der Plakias gehört, tätige Freiwilligen-Tierschutzorganisation APAL „Animal Protection And Lifeline“ half ihm bei den Formalitäten, den Hund von Kreta mit dem Flugzeug nach Österreich mitzunehmen: „Das ist sehr einfach, vorausgesetzt der Hund ist tierärztlich untersucht und gechippt“, erzählt Achleitner. Die Hunde werden in entsprechenden Flugboxen im Frachtraum transportiert.
Fünf Hunde im Gepäck. Aber Ammoudi, den Achleitner nach der Schlucht, in der sich der Hund aufgehalten hat, nannte, war nicht der einzige Hund im Rückflug-„Gepäck“. Die Tierschutzorganisation APAL, von Deutschen gegründet, die auf Kreta leben, betreut freilaufende Katzen und Hunde und sammelt jene ein, die „häusliche Pflege“ brauchen. Wie etwa jene neun Welpen, deren Jammern ein Tourist aus einem Sack auf einer Deponie hörte. Für fünf fand APAL in Deutschland einen Platz, vier nahm Achleitner mit nach Österreich. Er hoffte, sie hier vermitteln zu können, um den Verein APAL zu entlasten, der seine Hilfe ausschließlich aus Spenden finanziert und daher nur sehr begrenzte Möglichkeiten hat. Einer der Hunde blieb ihm – Camillo.
Hüttenrunde. Über Ammoudi kam Ernst Achleitner mit APAL näher in Verbindung und hat dann dort auch zeitweise mitgeholfen. Vor allem hat er seinen sich langsam erholenden Hund täglich zweimal besucht, mit Futter und Wasser versorgt, seine Unterkunft gesäubert. Und er lernte die Arbeitsweise von APAL kennen: Die Menschen gehen den freilaufenden Hunden und Katzen im ganzen Bezirk nach, sterilisieren die Tiere. Suchen die Hunde auf, die im Landesinneren an ein Autowrack oder irgendeinen Pfahl angebunden und der prallen Sonne ausgeliefert sind. Die Tierschützer/innen bauen den Hunden Hütten, die vor der prallen Sonne und schlechtem Wetter schützen. Einmal im Monat gehen die Mit-arbeiter/innen auf „Hüttenrunde“ und besuchen alle Hunde, deren Plätze sie kennen; manche sind nur zu Fuß zu erreichen. Dazu gehört, dass sie die Tiere entwurmen und mit einem Zeckenmittel behandeln, dass sie ihnen frisches Wasser geben und ihre Umgebung säubern. Fallweise schickt ihnen Ernst Achleitner Geld. Wenn er in Pension ist, will er zeitweise bei APAL mitarbeiten.
- Ernst Achleitner, GF vom B 37 in Linz, Bethlehemstraße 37, ist um Sach- und Geldspenden, die er an APAL weitergibt, wie Floh- oder Entwur-mungsmittel, dankbar: Tel. 0664/132 04 14.
Camillo, Tsatsiki und Co
Die Sorge für Geschöpfe, die Hilfe brauchen
Wie wird jemand zum Hundefreund, der Hunde nicht mochte, weil manche seiner Katzen Opfer wurden, wenn dem Nachbarn der Hund auskam? Es liegt wohl in Ernst Achleitners Natur, die ihn auch zum Sozial-arbeiter werden ließ: dass er sich um jene kümmert, die nicht auf eigenen Beinen stehen können. Es hat mit Griechenland zu tun, wo er das Elend der freilaufenden Hunde und Katzen gesehen hat. Für sie begann er Futter zu kaufen und sie zu füttern. Hunde und Katzen haben keinen hohen Wert. Doch Katzen jagen zumindest Mäuse und die gehassten Schlangen. Aber Hunde? – Ernst Achleitners Freundschaft zu Hunden wuchs. Der erste griechische Hund, den er mit nach Österreich nahm, heißt Tsatsiki: Vor zehn Jahren waren er und Hansjörg Achleitner mit Motorrädern in Griechenland unterwegs. Als sie einen Hund entdeckten, der mit enger Drahtschlinge um den Hals angebunden war, befreiten sie ihn. Ernst nahm ihn auf dem Motorrad mit auf die Reise durch Griechenland und dann nach Österreich. Hier freut sich Tsatsiki, seit einem Jahr zwei griechische Freunde zu haben: Camillo und Ammoudi.