Die Marianistische Familie feiert am 2. April 2011 um 14 Uhr in Maria Puchheim ihren Gründer
Ausgabe: 2011/13, Pfarre, Maria Puchheim, Eidenberger, Bildung, Gründer, Pfarre
30.03.2011
- Josef Wallner
Sein Name ist wenig bekannt, seine Ordensgemeinschaft dagegen schon: Wilhelm Josef Chaminade, der Gründer der Marianisten, wurde am 8. April 1761 – vor 250 Jahren – geboren. Die Marianisten sind ein weltweit tätiger Schulorden. In Oberösterreich führen sie in Freistadt eine Hauptschule und haben am Greisinghof ihr Bildungs- und Provinzhaus.
Die ersten drei Lebensjahrzehnte von Wilhelm Chaminade verliefen in ruhigen Bahnen: Wie zwei seiner Brüder wurde auch er Priester und wirkte mit ihnen gemeinsam als Professor am Gymnasium in Mussidan (Südwest-Frankreich), wo sie intensiv und erfolgreich an der Hebung der Qualität der Schule arbeiteten. Die Französische Revolution setzte diesem Lebensabschnitt ein abruptes Ende. Wie seine Brüder verweigerte auch Wilhelm den Eid auf die bürgerliche Verfassung, was 1790 zur Schließung der Internatsschule führte. Nun musste er im Untergrund als Priester wirken, da ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt war. Schließlich floh er nach Spanien, wo er drei Jahre lang ein Leben des Gebetes und des Studiums führte und damit den Grundstein für seine künftige Sendung legte. Ende 1800 konnte er nach Bordeaux zurückkehren, wo er mit der Leitung einer Diözese beauftragt wurde. Auffallend ist, dass Chaminade die Ideen der Französischen Revolution wie Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – trotz der erlittenen Verfolgung – nicht einfach abgelehnt und die Wiederherstellung der alten Ordnung herbeigesehnt hat. Die geänderte Situation war für ihn Anstoß, neue Wege für neue Zeiten zu suchen. Er selbst nahm keinen kirchlichen Ehrentitel an, auch nicht das Bischofsamt. Die einzige Bezeichnung, die er für sich gelten ließ und die er auch auf eigenen Wunsch von Rom erhielt, war „Apostolischer Missionar“.
Außerhalb der Pfarren. Mit zwölf jungen Menschen gründete Chaminade am 8. Dezember 1800 die Marianische Kongregation, die er in den Dienst einer neuen Evangelisierung stellte. „Ihr alle seid Missionare“, war der Auftrag an die Mitglieder seiner Laiengemeinschaft, die rasch auf 700 Mitglieder anwuchs: Die Taufe macht jeden Christen zu einem Missionar. Erst 1816 und 1817 folgten die Gründung einer Schwestern- sowie einer Priester- und Brüdergemeinschaft (Marianisten). Chaminade hat sich die Freiheit genommen, mit seinen Gruppen nicht innerhalb der Pfarren, sondern außerhalb der ausgetretenen pastoralen Wege aktiv zu sein. Er wollte vor allem Menschen am Rand der Gesellschaft erreichen.
Herzensbildung. Mitglieder seiner Kongregation betreuten Prostituierte, nahmen sich um Straßenkinder an, besonders um die „Rauchfangkehrerkinder“, die von Hunger ausgezehrt spindeldürr waren und deshalb problemlos in die Kamine klettern konnten. Der marianistische Einsatz fokussierte sich aber auf die Bildung: auf die Gründung von Bibliotheken und Schulen für jene, die kein Schulgeld aufbringen konnten. Die Marianisten (mit 1350 Mitgliedern in 26 Ländern tätig) sind heute als Schulorden bekannt, wobei sie in ihren Werken – darunter drei Universitäten in den USA – großen Wert auf die Herzensbildung legen.