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Wir sind demütiger geworden

Stift Kremsmünster informiert über die Aufarbeitung des Missbrauchs
Ausgabe: 2011/10, Kremsmünster, demütig, Ambros, Missbrauchsopfer, Recht, Rom, Konvent
09.03.2011
- Josef Wallner
Der 11. März 2010 hat das Stift Kremsmüns-ter erschüttert. An diesem Tag wurden erstmals öffentlich schwere Missbrauchsvorwürfe gegen Patres des Stiftes erhoben. Ein Jahr später zieht Abt Ambros Ebhart über den – noch nicht abgeschlossenen – Weg der Aufarbeitung Bilanz.

„Wir wollten und konnten nicht glauben, dass so etwas in unserem Kloster passiert ist“. Man sieht Abt Ambros die Erschütterung und Betroffenheit an, als er in der Pressekonferenz am 4. März 2011 die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren lässt. Insgesamt 45 Opfer haben sich bei der diözesanen Missbrauchskommission gemeldet, mit 35 von ihnen war der Abt persönlich in Kontakt: „Ja, im Stift Kremsmünster hat es Missbrauch gegeben – seelische sowie körperliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Es ist unser fester Wille, das Unrecht so weit wie möglich wieder gut zu machen“. Im vergangenen Jahr ist es bereits zu einer Reihe von Begegnungen zwischen dem Abt oder Mitgliedern des Klosters gekommen, die so persönlich die Entschuldigung des Stiftes ausdrücken konnten. Es gab auch Aussprachen zwischen Opfern und Beschuldigten.

Das staatliche Recht. Die Untersuchungen und die Aufarbeitung laufen auf unterschiedlichen Ebenen, was mitunter zu Unklarheiten führen kann. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft Steyr haben Ermittlungen gegen elf Personen durchgeführt, wobei drei Patres sexueller Missbrauch zur Last gelegt wurde. Bis auf einen Fall wurden alle Verfahren eingestellt, weil die Vorfälle verjährt oder „strafrechtlich nicht relevant“ waren. In dem noch laufenden Verfahren werden zur Zeit psychologische Gutachten eingeholt.

Kirchlich keine Verjährung. Für die Zuerkennung einer Entschädigung an die Opfer ist aber die Einstellung von Strafverfahren nicht maßgeblich, machte der Abt mit Nachdruck deutlich. So wird eine Reihe von Übergriffen in Zusammenarbeit mit der diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt und mit der Opferschutzkommission der Bischofskonferenz, besser bekannt als Klasnic-Kommission, bearbeitet. Die Klasnic-Kommission hat bereits in fünf von zehn das Stift Kremsmünster betreffenden Fällen Entschädigungen zugesprochen, die vom Stift Kremsmünster bezahlt werden. Das Kloster ist froh, in den beiden Kommissionen kompetente Organisationen zu haben, die bei der Bewältigung der schwierigen Situation helfen. Dieser Prozess wird schrittweise weitergehen, bis alle relevanten Fälle bearbeitet sind.

Verfahren in Rom. Jene drei Patres, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, sind nach wie vor aller Ämter enthoben. Sie leben innerhalb des Stiftes sehr zurückgezogen, berichtet der Abt. Zwei von ihnen sind über 75 Jahre alt, der dritte an die sechzig. Für alle drei sind auch kirchenrechtliche Verfahren bei der Glaubenskongregation in Rom anhängig. Die Unterlagen dazu wurden vom Stift kürzlich nach Rom weitergeleitet. Innerhalb welchen Zeitraums Urteile zu erwarten sind, ist offen.

Ehrlichkeit im Konvent. Die mehr als 50 Konventangehörigen haben sich im vergangenen Jahr – teilweise von einem Psychologen begleitet – mit diesem dunklen Kapitel ihrer Gemeinschaft auseinandergesetzt. Obwohl die Fragen rund um Missbrauch noch lange nicht ausgestanden sind, sagt P. Bernhard Eckerstorfer, der Pressesprecher des Stiftes: „Seit den zehn Jahren, in denen ich im Kloster bin, haben wir noch nie so offen und intensiv miteinander gesprochen als in der letzten Zeit.“ Auch die Spiritualität hat die Situation verändert: „Wir sind uns jetzt sehr bewusst, dass wir als sehr schwache Diener Christus nachfolgen, die keinen Grund haben, sich über andere zu erheben. Ich glaube wir stehen wahrhaftiger und demütiger da.“

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