Ried/I. „Zerstörung eines Aushängeschilds“, „massive Verschlechterung“, „die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke“... – In Rieder Medien fahren Leserbriefschreiber/innen schwere Geschütze gegen das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern auf. – Emotionen schwimmen in Konflikten immer oben.
Darum geht es: Die Krankenhausleitung will die Palliativstation vom Haus neben dem Krankenhaus ins Krankenhaus übersiedeln. Integration im Krankenhausbetrieb ist wichtig, sagen die Verantwortlichen. Seit das Vorhaben bekannt ist, geht es in Leser-Foren rund. Das dort vorgebrachte Hauptargument: Die derzeit schöne Lage der Palliativstation mit dem unmittelbaren Zugang ins Freie ist wunderbar für Menschen an ihrem Lebensabend. Dieses Argument verbinden sie mit dem Verdacht, dass Geldgier dahinter sei, wenn die Station jetzt ins Krankenhaus übersiedeln muss.
Ried ist früh den Weg gegangen. Der Geschäftsführer des Krankenhauses Ried, Mag. Oliver Rendel, erinnert daran, dass das Engagement der Barmherzigen Schwestern und einzelner Ärzte des Krankenhauses Ried für die Palliativmedizin schon frühzeitig sehr hoch war, als allgemein die führende Ärzteschaft im deutschsprachigen Raum noch sehr zurückhaltend war. Daher wurde in Ried 1998 der Weg gegangen, die Palliativstation in dem derzeitigen Gebäude unterzubringen. „Mittlerweile ist die Palliativmedizin ein selbstverständlicher Bestandteil des medizinischen Versorgungsangebotes in Krankenanstalten geworden.“ Jetzt die Palliativstation im Krankenhaus einzugliedern, sei eine logische Konsequenz dieser Entwicklung. Auch gibt es viele positive Erfahrungen mit integrierten Palliativstationen in Krankenhäusern.
Erste Klasse verlegen? Kein Gedanke! In Ried kursiert das Gerücht, das Hospiz sollte verlegt werden, um dort Platz für die 1. Klasse zu schaffen. „Das wurde nie überlegt“, sagt Mag. Rendel. „Die 1. Klasse ist neu erbaut und wurde voriges Jahr eröffnet. Niemand denkt daran, die 1. Klasse aus dem Krankenhaus herauszunehmen.“ Der in Leserbriefen geäußerten Sorge, mit dem Ausziehen aus dem separaten Haus sei ein Qualitätsverlust verbunden, hält Mag. Rendel entgegen, dass die Integration der Station im Krankenhaus die Qualität für möglichst viele Patienten sichern würde. „Obwohl ein hoher Bedarf besteht, beträgt die Auslastung der Palliativstation derzeit nur 60 bis 70 %. Die Anzahl der im Krankenhaus durchgeführten palliativmedizinischen Konsile beträgt nur ein Zehntel von den im Linzer Krankenhaus durchgeführten Konsilen.“ (Anm.: Konsile sind Beratungen mit anderen Fachmedizinern.) Die Beseitigung der räumlichen Barriere sei eine Chance, die palliativmedizinische Versorgung für möglichst alle Patient/innen zugänglich zu machen.
Wie geht’s weiter? „Zunächst muss wieder Frieden in Ried und im Krankenhaus einziehen“, sagt Rendel. „Dann muss es Gespräche mit allen Verantwortlichen geben.“ Sollte dann die Übersiedlung entschieden werden, komme als Nachnutzung des Hospiz-Gebäudes „vielleicht die renovierungsbedürftige Schule in Frage“.