Solange ich noch niederknien und wieder aufstehen kann
Max Augeneder aus Bad Schallerbach ist seit 60 Jahren Ministrant
Ausgabe: 2011/03, Max Augeneder, Ministrant, Bad Schallerbach, Dienst, Schulwart, Messdiener
19.01.2011
- Paul Stütz
Seit 60 Jahren tut Max Augeneder das, was ihm in der Kirche am meisten Spaß macht: Ministrieren. Der pensionierte Schulwart aus Bad Schallerbach ist damit der wohl dienstälteste Messdiener Oberösterreichs.
Auch wenn der Großteil der „Minis“ kaum älter als zwölf Jahre ist: In einigen Pfarren haben erwachsene Messdiener eine gewisse Tradition. So wie in Bad Schallerbach, wo die „Großen“ vor allem an kirchlichen Hochfes-ten für Weihrauchnebel und Glockengeläut sorgen. Die mit Abstand meiste Erfahrung hat der pensionierte Schulwart Max Augeneder. Seit 60 Jahren ist er Ministrant und damit wohl der dienstälteste in ganz Oberösterreich.
Die Anfänge. Im Advent 1949 fing Max Augeneder zum Ministrieren an. In aller Hergottsfrüh machte er sich auf den langen Weg von seinem entlegenen Heimatdorf nach Schönau. Im benachbarten Bad Schallerbach stand damals weder Pfarrhof noch Kirche, nur in der Kapelle des Kurheims St. Raphael wurden Messen gefeiert. Die Mitfeier mancher Roratemesse war Max Augeneder nur möglich, weil er eine Sturm-laterne hatte, um den Weg zu finden. „Der Schnee ist mir bis zur Hüfte gegangen“, erinnert sich Augeneder. Miterlebt hat er über die Jahrzehnte den Bau der neuen Pfarrkirche in Bad Schallerbach und einige liturgische Reformen. Froh war Max Augeneder, als nach dem Konzil die lateinischen Gebete zurückgedrängt wurden: „Die Leute haben die Texte auf Deutsch endlich verstanden.“ Als es vor zehn Jahren in Bad Schallerbach die ersten weiblichen Ministranten gab, habe das in der Pfarrbevölkerung wenig Aufsehen erregt. So konnten nicht nur seine Söhne, sondern auch Tochter Angelika in die Fußstapfen des Vaters treten.
Nicht Chef sein. Obwohl er der Opa der meisten Kolleg/innen am Altar sein könnte, sieht sich Max Augeneder nicht als der große Boss der Schallerbacher Ministrantentruppe. Den Kindern und Jugendlichen will er auf Augenhöhe begegnen. „Ich bin einfach gern unter Jüngeren“, sagt er. Eine dienende Rolle nimmt Max Augeneder auch beim Jungscharlager ein, wo sich der pensionierte Schulwart als Hausmeister für keine Arbeit zu schade ist. In seiner Pfarre war er langjährig im Pfarrgemeinderat tätig, wirkt heute noch als Lektor, Kommunionspender und Pfarrblattausträger. „Ministrieren macht mir aber am meisten Spaß“, sagt der 69-jährige. Zudem sei ihm der Dienst stets Stütze in schweren Zeiten gewesen. Deshalb verschwendet er keinen Gedanken ans Aufhören: „Solange ich noch niederknien und dann wieder aufstehen kann, mache ich das.“
STICHWORT
Dienst am Altar in Oberösterreich
In der Diözese Linz gibt es 9959 Ministrantinnen und Ministranten. In Österreich verrichten rund 50.000 Ministranten den Dienst am Altar. 5178 Ministrant/innen sind in Gruppen organisiert, denen 653 aktive Leiter/innen vorstehen. Die meisten Messdiener/innen sind zwischen 8 und 12 Jahre alt. 20 Prozent sind zwischen 13 und 14 Jahre, 8 Prozent über 14. Dass auch Erwachsene ministrieren, hat eine lange Tradition. So war einer der bekanntesten erwachsenen Ministranten der Lordkanzler von König Heinrich VIII. von England, Rechtsanwalt Thomas Morus. Er lebte im 16. Jahrhundert. Etwas mehr als die Hälfte der Messdiener in Oberösterreich sind Mädchen. Ursprünglich diente der Ministrantendienst als Vorstufe zum Priester, was mit ein Grund für das Frauenverbot war. Das Zweite Vatikanische Konzil stellte jedoch fest, dass es sich beim Dienst der Ministranten um einen liturgischen Dienst handelt, der im Sinne der tätigen Teilnahme an der Messfeier allen Getauften zukommt.