„Es sah aus, als wären die Feuerlinien der Horizont und die Worte selbst in den Himmel geschrieben.“ – So beschrieb jemand die Fackelinstallation des Künstlers Johann Lengauer zum Abschluss des Jahres 2010, in dem Kirchheim „Kulturdorf Europas“ war.
Kirchheim blickt auf ein sehr erfolgreiches und bewegtes Jahr zurück. An die 50.000 Menschen sind zu den vielen Veranstaltungen gekommen, die ein großes Miteinander auszeichnete. Auch die Pfarre beteiligte sich in vielfältiger Weise, resümiert Hans Hartl, Bürgermeister a. D., pfarrlicher Mitarbeiter und Mitglied vom Vorstand des Projektes „Kirchheimer Zukunft“, das mit der Gemeinde für die Kulturdorf-Initiativen verantwortlich war.
3000 Fackeln auf drei Hügeln. Zu Silvester brannten 3000 Fackeln auf den drei Hügeln, die Kirchheim umgeben. MUT TUT GUT war zu lesen. Leider hat einbrechender Nebel die Feuer-Installation beeinträchtigt. So wurde sie am 5. Jänner wiederholt. Aber schon der Sil-vester-Feuerzauber hat meditativ gewirkt. „Es ist ruhiger gewesen“, sagt Hans Hartl. Es gab nicht sehr viel Feuerwerks-Knallerei. 13.000 Fackeln brannten; die Kirchheimer haben aber noch etliche Fackeln, die sie gerne an Interessenten abgeben.
Die Kraft der Kleinen. Kirchheim hat weniger als 800 Einwohner. Was aber in kleinen Strukturen steckt, wie stark Zusammenhalten macht, zeigte gerade auch das Kulturdorf-Projekt. Und dieses Feuer der Begeisterung will das Dorf weiter pflegen. Natürlich ist das Feuer nicht erst durch die Kulturdorf-Initiativen entfacht worden, sondern lodert seit vielen Jahren. Pfarrlich gesehen, so Hans Hartl, hat das Feuer der leider schon verstorbene einstige Pfarrseelsorger Pater Willi Preining OSFS entfacht. Kirchheim ist heute ein Gesamt-Anliegen – von Gemeinde, Pfarre und Vereinen. Dass bei der Fronleichnamsprozession Roll- ups mit dem Slogan des Kulturdorfes „Zusammen wachsen“ aufgestellt waren, ist ein Zeichen dieser Gesamt-Stimmung.
G’riss um Zechpropst. Ein Ausdruck des lodernden Feuers ist auch das Zechpropst-Ritual und der hohe Stellenwert, den der Zechpropst-Dienst in Kirchheim hat: Am Neujahrstag wird in der Kirche immer der neue Zechpropst vorgestellt. Um den Dienst gibt es fast ein „G’riss“. Dass das Amt ein besonderes ist, wird auch dadurch betont, dass am Neujahrstag der alte und der neue Zechpropst mit den anderen kirchlichen Mitarbeiter/innen ins Wirtshaus essen gehen.
Senioren erzählen. Vieles, auch Pfarrliches, das im Kulturdorf-Jahr gut gelungen ist, ist gewohnte Qualität: Etwa die Wort-Gottes-Feiern, die Kreuzweg-Gestaltung, die Palmprozession, die Firmung, das Erntedankfest, der Kirtag. Oder auch die Einbindung der Pfarre in einen Dorfabend, bei dem sich das Seelsorgeteam sehr launig vorstellte. Das besondere Jahr 2010 hat auch neue Spuren hinterlassen. Etwa den „Erzählkreis für Senioren“, dessen Ergebnis ein Bücherl ist.