Eliabeth (links) und Wolfgang Dedl (rechts) von der Flüchtlinhshilfe St. Georgen sowie KIZ Solidaritätspreisträgerin Eva Fischer von der Flüchtlingsghilfe Steinerkirchen/Fischlham mit Schwestern vom Drogentherapiezentrum.
Der Arbeitskreis Flüchtlingshilfe St. Georgen an der Gusen setzt sich seit 1992 für Menschen aus Bosnien ein, ein besonderes Anliegen ist den Flüchtlingshelfern die Unterstützung eines Therapiezentrums für Drogenabhängige bei Banja Luka.
Dass die staatlichen Institutionen in dem wirtschaftlich desolaten Bosnien kein Interesse an der Not von Drogenabhängigen zeigen, ist zu erwarten, bleibt aber trotz allem ein Skandal. Ordensfrauen wollten dieser Misere nicht tatenlos zuschauen und haben in ihrem ehemaligen Mutterhaus vor zehn Jahren ein Therapiezentrum eingerichtet. Eine Pioniertat – heute betreuen sie mit einem Therapeutenteam 60 Jugendliche in einem zweijährigen Entzugsprogramm. Die Erfolgsquote liegt bei über 70 Prozent, erzählt Wolfgang Dedl von der Flüchtlingshilfe St. Georgen. Dass in dem Ordenshaus der „Anbeterinnen des Blutes Christi“ muslimische Bosniaken, orthodoxe Serben und katholische Kroaten zusammen-leben, ist selbstverständlich. Die multireligiöse Gemeinschaft funktioniert, weil der Respekt vor der Religion des anderen eine ebenso unumstößliche Regel ist wie das Verbot, während der Therapie zu Drogen zu greifen.
Abwesender Staat. Das Zentrum ist bis heute die einzige Einrichtung dieser Art in ganz Bosnien geblieben. Und weder von der Stadt Banja Luka noch vom Staat bekommt es Unterstützung. Darum springt – wie andere Hilfswerke auch – die St. Georgener Flüchtlingshilfe ein und trägt zum Betrieb des Hauses mit Geld, Sachspenden und Arbeitskraft bei. Sie konnte eine Solaranlage sponsern, den Dachboden dämmen und das jüngste Projekt ist eine Berufsausbildung. Wolfgang Dedl bildet zwölf Personen, vier Therapeuten und acht Leute, die in der Endphase ihrer Drogentherapie sind, zu Masseuren aus – als Starthilfe für einen Berufseinstieg.
Jugend hilft Jugend. Das Zehn-Jahres-Jubiläum der Drogentherapie-Station feierten Mitglieder des Arbeitskreises St. Georgen, eine Abordnung der Feuerwehr Lungitz sowie Christoph und Werner Dedl mit einer Gruppe von Jugendlichen vor Ort in Banja Luka mit. Die beiden Söhne von Wolfgang Dedl haben im Sommer aus ihrer Geburtstagsfeier ein Benefizfest für das Zentrum gemacht und konnten nun 2.500 Euro überbringen. Sie und ihre Freunde wollen sich weiter für die Jugendlichen in Bosnien engagieren.