Salz, Rinder und sogar Leichen wurden früher über die bayrisch-österreichische Grenze geschmuggelt, war die Hürde für einen normalen Kontakt doch sehr groß. Dass der Austausch heute gut funktioniert, zeigt auch das Glaubensleben in der Grenzregion.
Nur ein paar Nachbargebäude und wenige hundert Meter trennen Ignaz Märzingers Haus in Kollerschlag von deutschem Staatsgebiet. Die Beschäftigung mit der Grenze ist für den 62-jährigen Hobbyhistoriker, der an mehreren Heimatbüchern mitgewirkt hat, demnach naheliegend. „Ich habe die Grenze zwar im Kopf, aber ich kann sie überwinden“, sagt der ehrenamt-liche Pfarrmitarbeiter. Hilfreich ist dabei auch ein Blick in die Geschichte der Grenzregion. So wurde etwa die Pfarrkirche Kollerschlag im 18. Jahrhundert von der Mutterpfarre Wegscheid in Bayern abgetrennt, weil der österreichische Kaiser Josef II. kleinere Pfarren schuf. Die Mühlviertler blieben aber stur. Sie konnten und wollten sich nicht von Wegscheid trennen und schmuggelten sogar ihre Verstorbenen oft in Nacht-und-Nebel-Aktionen über die Grenze nach Bayern, um sie auf dem dortigen Friedhof zu begraben.
Leichenschmuggel nach Bayern. Während die Obrigkeit den Leichenschmuggel nach kurzer Zeit wieder abstellen konnte, wurden bis in das 20. Jahrhundert Salz von Bayern nach Österreich und in die andere Richtung Rinder illegal transportiert. Die Grenze blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg schwer überwindbar. Besonders durch den EU-Beitritt 1995 und den Wegfall der Zollbeschränkungen besteht mittlerweile längst reger Austausch zwischen dem 1518-Seelen-Ort Kollerschlag und dem großen Bruder Wegscheid (5705 Einwohner). Die Grenze wird immer häufiger zum Fortgehen, in Liebesbeziehungen, durch die Arbeit und auch das Glaubensleben überschritten. Gemeinsam wird etwa nach Altötting gepilgert, und bei der Kollerschlager Glockenweihe im heurigen Frühjahr feierten sehr viele Wegscheider mit.
Lob der Nachbarn. „Das sind echte Pfundskerle“, sagt Märzinger über die deutschen Nachbarn. Sehr leicht komme man mit den „leut- und redseligen“ Bayern ins Gespräch. Ein großer Vorteil für das Zusammenleben sei: „Die Bayern sind genauso katholisch wie wir.“ Sie würden den Glauben vielleicht sogar etwas intensiver leben als die Oberösterreicher, meint der pensionierte Polizist anerkennend. Zeichen der guten Zusammenarbeit auf welt-licher Ebene sind die „Grenzgänger“, eine Vereinigung, die im Oktober in Kollerschlag neu startete und der auch Ignaz Märzinger angehört. Der Ort soll ohne Rücksicht auf die Staatsgrenze weiterentwickelt werden, ist eines der Vereinsziele. Die Kollerschlager träumen von der Errichtung eines Grenzlandmuseums, das die Geschichte der Region dokumentiert.Mit einem Triathlon, der durch Kollerschlag, Wegscheid und Horni Plana führt, werden Beziehungen zu den nördlichen Nachbarn, den Tschechen, intensiviert. Zudem gibt es jährlich eine gemeinsame Gemeinderatssitzung sowie ein Tennisturnier. Während viele Leute früher den Tschechen eher distanziert gegenübergestanden seien, setzte sich mittlerweile die Erkenntnis durch, „dass das dieselben Leute mit denselben Problemen sind“, wie Märzinger betont.