Fachtagung zum Thema „Flucht“ wirft kein gutes Licht auf Österreichs Asyl-Praxis
Ausgabe: 2010/30, drama, Asyl, fachtagung
28.07.2010
- Ernst Gansinger
Im Stift Lambach fand am 23. und 24. Juli die Weltkirche-Fachtagung statt. Thema: "Flucht, Dimension eines Dramas". Organisiert wurde die Tagung von der KOO Koordinierungsstelle der ?sterreichischen Bischofskonferenz f?r Entwicklung und Mission, dem
Die Bitte um den Heiligen Geist stand am Beginn der Fachtagung Weltkirche. Vorne rechts Erzbischof Raphael Cheenath SVD aus Indien, einer der Referenten der Tagung. In der zweiten Reihe(v. l.) die beiden Referentinnen Maria-Regina Strugholtz und Mag. Angela Brandstätter.
Die Innsbrucker Schubhaft-Seelsorgerin Maria-Regina Strugholtz berichtete bei der Weltkirche-Tagung am 23. Juli im Stift Lambach Erschütterndes. Darüber, was Flüchtlinge auf dem Weg zu uns mitgemacht haben. Und darüber, was sie dann hier mitmachen.
„Flucht. Dimensionen eines Dramas“ hieß der Titel der Fachtagung, zu der viele kirchliche Organisationen eingeladen hatten, unter anderem die Koordinierungsstelle der österreichischen Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission, mehrere Orden sowie kirchliche Hilfsaktionen wie MIVA und Jugend Eine Welt (siehe auch KirchenZeitung Nr. 29).
Unmenschliche Behandlung. Geschlagen, ausgelaugt, sexueller Gewalt ausgesetzt, kommen Menschen bei uns an. Oft haben sie andere Flüchtlinge sterbend zurücklassen müssen. In Österreich werden dann viele in Schubhaft genommen. Manche von ihnen treten aus Angst, abgeschoben zu werden, in den Hungerstreik. Oft zehn Tage ohne Nahrung und Flüssigkeit, werden ihre Schmerzen enorm. Der österreichische Staat aber verweigert Hungerstreikenden Medikamente. Werden ihre Blutwerte kritisch, werden sie auf die Straße entlassen. Ohne Rücksicht darauf, ob sie entsprechend gekleidet sind – etwa wenn es Winter ist und die Entlassenen nur Sommerkleidung haben. Zu Strugholtz’ Bericht der Unmenschlichkeit passt auch, was die Wiener Caritas-Asylanwältin Mag. Angela Brandstätter aus ihrer Arbeit berichtet hat: Die Gesetzgebung zu Asyl und Fremdenrecht in Österreich wird immer einengender. Zur Schubhaft kommen ständig neue Ideen der Verschärfung.
FaktenAuf der FluchtFlucht. Krieg, Konflikte, Verfolgung sind die wichtigsten Ursachen für Flucht. Darauf wies bei der Weltkirche-Tagung Mag. Angela Brandstätter von derCaritas hin. Weltweit sind 43,3 Millionen Menschen auf der Flucht. 27 Millionen von ihnen sind Menschen, die im eigenen Land in andere Regionen flüchten. Mehr als fünf Millionen Menschen sind schon länger als fünf Jahre auf der Flucht. Die Gastländer, die am meisten Flüchtlinge aufnehmen, sindPakistan, Syrien und der Iran. Vier Fünftel aller Aufnahmentätigen Entwicklungsländer.
Asylanträge. Im Jahr 2009 wurden weltweit etwa eine Million Asylanträge gestellt. Die meisten in Südafrika und in den USA. In Europa waren es insgesamt 286.700. In Österreich stellten im vergangenenen Jahr 15.821 Menschen einen Asylantrag.