Traun: Integrationsinitiative IRIS fordert, hohen Ausländeranteil als Realität anzuerkennen
Ausgabe: 2010/27, Integration, IRIS, Traun, Ausländeranteil, EU, Seidl, Islam
07.07.2010
- Paul Stütz
Traun ist laut Bericht des Integrationsfonds die Stadt mit dem höchsten Anteil an Nicht- EU-Ausländern in Österreich (20 Prozent). Die Stadtpfarre und die Integrationsinitiative IRIS appellieren, die vielen Ausländer als Realität anzuerkennen und verstärkt Wege zum guten Zusammenleben zu suchen.
Gegenüber den Nachrichten zweifelte Bürgermeister Harald Seidl (SP) vergangene Woche die Zahlen an, die Traun den ersten Rang bei den Nicht-EU-Ausländern bescheinigt. Er will nun eigene Berechnungen anstellen. Egal was dabei herauskommt: Für Theresa Wineroither sind die Ausländer-Rankings zweitrangig. „Die Menschen sind relevant, nicht die Zahlen“, sagt sie. Dass es viele Ausländer in Traun gibt, sei jedoch eine Realität, mit der man endlich leben müsse, meint die Initiatorin der Interkulturellen Frauengruppe der Pfarre Traun (IRIS). Einzelne Probleme könne man nur lösen, wenn man sich respektvoll begegnet auf beiden Ebenen. Bei IRIS funktioniert das so, dass es Frauen unterschiedlichster Herkunft ermöglicht wird sich zu treffen, sich näher kennenzulernen und Vertrauen aufzubauen. „Angst schüren bringt nichts“, sagt Wineroither. Ernst nehmen solle man Befürchtungen der Bevölkerung dagegen schon. Es brauche etwa mehr Durchmischung als bisher in den Wohnvierteln, um Ghettobildung möglichst zu vermeiden.
Wenig Erfahrungen mit Ausländern. Die Angst mancher Christen vor dem Islam kann sie nicht nachvollziehen. Man müsse sich die Frage stellen: „Sind wir so schwach, dass wir glauben, sie nehmen uns den Glauben und die Identität weg?“ Wineroither plädiert generell für einen differenzierten Blick auf die Problematik. „Viele Leute beschweren sich, dass es so viele Äuslander in Traun gibt. Wenn man sie aber anspricht, haben sie selbst noch ziemlich wenig negative Erfahrungen gemacht.“ Die Stadtpfarre Traun will unterdessen die Integrationsbemühungen weiter verstärken, wie Stadtpfarrer Franz Wild sagt. „Es ist keine einfache Geschichte. Wir werden künftig wieder mehr Energie investieren.“ Gefordert seien beide Seiten, In- wie Ausländer. Wineroither will deswegen Brückenbauerin sein: „Wenn jeder wartet, dass der andere was tut, kann sich nichts positiv verändern.“