Anton Bruckner würde seine Freude haben: sein Großneffe Rudolf Hueber (sitzend) ist Organist in der Pfarre Vöcklabruck ebenso wie seine Urgroßnichte Gabriele Sieb. Stehend: Pfarrer Franz Leitner.
Vöcklabruck ist eine Stadt der Orgeln. Sieben Instrumente werden in den Kirchen gespielt. Die jüngste, die „Bruckner-Gedächtnis-Orgel“ wurde erst kürzlich geweiht. Anton Bruckners Großneffe Rudolf Hueber spricht über seinen berühmten Verwandten und dessen Beziehung zu Vöcklabruck.
Der 81-jährige Gärtnermeister in Ruhe, Rudolf Hueber, stellt gleich zu Beginn des Gesprächs klar: „Ich bin kein Organist, sondern ein Orgelspieler“. Doch er ist mit Leib und Seele Musiker, hat als Kind Geige gelernt und Klavier, gehörte über fünf Jahrzehnte der Liedertafel an, die immer wieder Werke Bruckners aufgeführt hat, und leitete viele Jahre das Familienensemble „Stubenmusi Rudi Hueber“. Zur Orgel stieß er durch eine seiner fünf Töchter. Als sie im Rahmen der Lehrerausbildung Orgelunterricht nahm, kam auch der Vater auf den Geschmack. Seit 36 Jahren sitzt er nun auf der Orgelbank. „Mein Leben ist das Orgelspiel. Solange ich darf, spiele ich weiter jeden Sonntag“, sagt der letzte Großneffe und nächste Verwandte des Komponisten Anton Bruckner.
In St. Florian hat’s gefunkt. Seine 1913 verstorbene Großmutter Rosalia war die Schwester Anton Bruckners. Die Liebe hatte sie nach Vöcklabruck verschlagen. Sie war im Stift St. Florian beschäftigt und lernte dort Johann Hueber aus Vöcklabruck kennen, der in der Stiftsgärtnerei arbeitete und dann in Vöcklabruck sein eigenes Unternehmen betrieb. Bruckner besuchte gerne seine Schwester. „Man kann sagen: Bruckner war hier integriert“, erklärt Pfarrer Franz Leitner. So gehörte er der Liedertafel an und verbrachte häufig den Sommer in Vöcklabruck. Ein Gedenkzimmer im alten Gärtnerhaus, wo man Briefe Bruckners und Bilder der Familie bewundern kann, zeugt von der engen Verbindung des Komponisten zu seiner Schwester. Dass er auf den Orgeln der Stadt gespielt hat, darf als selbstverständlich gelten. Das Instrument in der Stadtpfarrkirche bezeichnetete Bruckner als „leidige Kletzentruhe“.
Bruckner-Orgel. Zur Bruckner-Gedächtnisorgel wurde die Orgel in der Kirche Maria Schöndorf, in der 1959 das bestehende barocke Instrument, das Bruckner benutzt hatte, durch ein Neues ersetzt wurde. Um die Bruckner-Tradition zu wahren, übernahm man 24 Pfeifen. So hielt das nun auch Christoph Enzenhofer, der die neue Orgel für Maria Schöndorf mit 27 klingenden Registern baute. Nach der Orgelweihe wird die Nachprimiz des Florianer Chorherren Manfred Krautsieder das zweite Fest sein, an dem das neue Instrument voll zum Klingen kommt. Neben der Stadtpfarrkirche und Maria Schöndorf erklingen in Vöcklabruck fünf weitere Orgeln: in der Dörflkirche, der Evangelischen Friedenskirche, der Mutterhaus-Kapelle der Franziskanerinnen, der Pädagogium Kapelle und in der St.-Klara-Kapelle.