Üben. Und sich Zeit lassen. Nur zwei der Hinweise, die der Schauspieler Hannes Benedetto Pircher letzte Woche oberösterreichischen Seelsorger/innen mitgab.
Zwei Tage lang zogen sich 26 Pfarrer und Kapläne am Montag und Dienstag in das Exerzitienhaus Subiaco in Kremsmünster zurück, um die Kunst des Liturgiefeierns mit einem Schauspieler zu üben. Hannes Benedetto Pircher wäre ja beinahe einer von ihnen selbst geworden, war bei den Jesuiten – entschied sich doch für die Schauspielerei. Am Mittwoch, 9. Juni gab Pircher seine Anregungen im Priesterseminar an Personen weiter, die Liturgie gestalten. Das Fest des Glaubens ist nur dann ein Fest des Glaubens, wenn es von den Feiernden auch als ein Fest empfunden wird. Und da muss Liturgie vor allem „echt“ sein. Gebete in der Liturgie – und sei es das Hochgebet – werden nicht nur vorgetragen oder vorgelesen. Sie müssen echt, mit der inneren Anteilnahme und mit der entsprechenden Haltung, gebetet werden – vor den Augen der Leute. Liturgie verlangt viel Übung, sagt der Schauspieler – wie Theaterspielen auch. Und vor allem müssen jene, die in der Liturgie eine Rolle übernehmen, diese auch ernst nehmen. Ein Seelsorger, der an einem Sonntag mehrere Gottesdienste zu feiern hat, müsste zumindest eine Stunde Zeit haben, sich auf die nächste Feiergemeinde einzustellen, meint Pircher. Die Leute spüren es, wenn der Leiter der Liturgie nicht bei der Sache ist. „Ganz da zu sein“, hält Pircher für das Um und Auf. Und: Liturgie kommt immer aus der ganzen Gemeinde heraus. Den Leuten wird nur „vorgespielt“. Akzeptieren müsse man freilich, dass viele sich nur teilweise beteiligen wollen. Auch gegen zu viel vermeintliche Kreativität spricht sich der Schauspieler aus. Rituale, sagt er, sind zwar wandelbar, aber man muss sich zuerst ihrer sicher ein. Nicht also ständig neue Rituale erfinden, sondern die bestehenden Rituale erarbeiten und erschließen. Symbolen und Zeichen muss man Raum geben, sich zu entfalten, statt sie ständig zu erklären. Ein Gottesdienst, sagt er, ist keine Informationsveranstaltung.