Bei der Landesausstellung „Renaissance und Reformation“ hat auch die Ökumene ihren Platz. Aus dem Nebeneinander wurde in den letzten Jahrzehnten ein Miteinander. Die Pfarren von Wallern sind ein Beispiel dafür.
Dass in einem Ort mit evangelischer und katholischer Bevölkerung zwei Kirchen stehen, ist verständlich, zwei Schulgebäude sind nur mehr schwer nachvollziehbar. Dass die Bewohner/innen von zwei unterschiedlichen Wasserleitungen – aus einer katholischen und einer evangelischen – versorgt wurden, ist aus heutiger Sicht nur mehr kurios. Und dennoch war das in Wallern Realität, wenn auch im Alltag die Trennung nicht immer konsequent gehandhabt werden konnte. So tranken etwa die Kühe einer streng katholischen Familie, die die Milch für den katholischen Pfarrer lieferte, evangelisches Wasser. Die evangelische Schule wurde während des Zweiten Weltkriegs geschlossen, die Wasserleitungen bestanden noch länger, verloren aber nach und nach ihre Bedeutung.
Gemischt-konfessionelle Paare. Heute gehört die gelebte Ökumene zum Kennzeichen von Wallern. Im Jänner 1974 trafen sich die beiden Pfarrgemeinden im katholischen Pfarrsaal zum ersten „ökumenischen Abend der Begegnung“. Seither finden im Jahreslauf eine Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen statt – bis hin zu einer „ökumenischen Maiandacht“. „Die Leute sind über das gute Verhältnis der beiden Pfarren sehr froh“, sagt Pfarrer Gerhard Schwarz. Er ist seit 1976 katholischer Pfarrer in Wallern: „Niemand – nicht einmal konservativere Katholiken – würde es verstehen, wenn wir nicht gut zusammenarbeiten würden. Es geht, wenn man will.“ Von den 3100 Einwohnern Wallerns sind 75 Prozent katholisch und 20 Prozent evangelisch. Gemischt-konfessionelle Ehepaare sind daher eine Selbstverständlichkeit. „Damit Paare mit unterschiedlichem religiösem Bekenntnis zu konfessionsverbindenden Ehen werden können, ist die gegenseitige Zulassung zum Abendmahl und zur Eucharistiefeier ein wichtiger Schritt“, betont Pfarrer Schwarz: „Zurzeit leider ein Fernziel.“
Wenig Anstrengung in Rom. Dass Pfarrer Schwarz bei der Pressekonferenz spricht, bei der die evangelische Pfarre ihren Beitrag zur Landesausstellung, einen Themenweg zur Reformation, präsentiert, ist für den evangelischen Pfarrer Andreas Hochmeir selbstverständlich: „Wir haben wirklich ein geschwisterliches, von Wertschätzung geprägtes Verhältnis.“ Vor Ort könnte die Beziehung nicht besser sein, er bedauert aber, dass von Rom nichts Hilfreiches kommt: „Ich sehe zurzeit keine Anstrengung, den Auftrag Jesu, ,dass alle eins seien‘, in die Tat umzusetzen.“
Zur Sache
Reformation auf dem Weg
Die evangelische Pfarre Wallern hat als Partnerin der Landesausstellung „Renaissan-ce und Reformation“ einen Themenweg gestaltet. Entlang einer etwa zwei Kilometer langen Strecke (zwei Stunden einplanen) werden in zehn Stationen wichtige Etappen der 500-jährigen Geschichte der Reformation und der evangelischen Christen in Wallern gezeigt: Im 16. Jahrhundert hingen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung Wallerns den Ideen Luthers an. Über 150 Jahre, fünf Generationen hindurch, konnte der evangelische Glaube nur im Geheimen gelebt werden. Als mit dem Toleranzpatent 1781 die Evangelischen wieder gesetzlich geduldet werden, tauchen – zur Überraschung der katholischen Obrigkeit in Wels – an die 4000 Personen aus der Region auf, die als evangelische Christen leben wollen. Durch den Einsatz engagierter Laien werden Pfarre und Schule in Wallern gegründet. Eine Station des Weges ist das Heimatmuseum, in dem Fotos von der Ökumene heute zu sehen sind.
- Der Themenweg wird am 2. Mai 2010 eröffnet und ist frei zugänglich (Führungen samstags und sonntags um 14 Uhr). Weitere Infos: www.evang-wallern.at