Die Stadtpfarrkirche von Steyr zählt zu den herausragendsten gotischen Kirchen Österreichs. Die Innenrenovierung des Gotteshauses stellt eine enorme Herausforderung dar.
Eisenverarbeitung und Eisenhandel haben Steyr im Mittelalter zur mächtigsten Stadt ob der Enns gemacht. Nur verständlich, dass auch die Pfarrkirche etwas von dieser Bedeutung widerspiegeln sollte. Da das Kirchengebäude ohnedies durch einen Brand beschädigte war, wurde 1443 der Dombaumeister des Wiener Stephansdoms, Hans Puchsbaum, mit dem Neubau der Kirche beauftragt. Seine Entwürfe sind noch erhalten. Schließlich wurde an die 100 Jahre am Gotteshaus gearbeitet, das bis heute das Stadtbild von Steyr prägt. Der mächtige gotische Bau wird als kleine Schwester des Stephansdoms bezeichnet.
Zweijährige Vorarbeiten. Die letzte große Innenrestaurierung wurde gleichzeitig mit der Regotisierung der Kirche durchgeführt. Nach mehr als 100 Jahren steht nun eine Totalerneuerung an. Bevor mit den Arbeiten begonnen werden kann, war aber eine gründliche Bestandserhebung notwendig: Angefangen von der digitalen Vermessung des Raums über die Erforschung der Baugeschichte bis zur exakten Analyse des Zustands von Altären, Statuen und sogar aller in der Kirche vorhandenen Textilien. Zwei Jahre nahmen diese Arbeiten in Anspruch, ehe 2009 ein Probejoch renoviert wurde. „Die gründliche Vorbereitung hat sich gelohnt“, sagt Pfarrer Roland Bachleitner: „Sie bildet die Basis für die Qualität der Arbeiten, weil nicht jeder Handwerker von vorne beginnen muss, sondern verlässliche Daten hat. Das hilft sparen.“ Trotz allem bleiben die Kosten das Hauptproblem.
Neuer Platz im Bewusstsein. Zwischen 6,5 bis 7 Millionen Euro wird das Projekt ausmachen – eine Summe, die die Pfarre trotz aller Zuschüsse durch die öffentliche Hand selbst unmöglich tragen kann. Pfarrer Bachleitner ist froh, dass die Diözese Verständnis für die Pfarre hat und ihr unter die Arme greift. Doch auch die Pfarre sucht nach neuen Quellen der Finanzierung. „Wir arbeiten daran, die gotische Kirche ins überregionale Bewusstsein zu heben“, erklärt der Stadtpfarrer. Eine PR-Agentur wird Schritte vorschlagen, die „die kleine Schwester des Stephansdoms“ mehr als bisher in den Tourismus einbinden und als Stätte für Kulturveranstaltungen positionieren sollen. Die Pfarre wird in den kommenden Jahren jedenfalls gefordert sein.
Zeithorizont 2016. Vorgesehen ist, dass die Kirche 2016 in neuem Glanz erstrahlt. Ob noch heuer mit der Renovierung gestartet wird oder im nächsten Jahr, ist noch nicht entschieden und liegt in den Händen der Diözese, so Bachleitner.