Welche Impulse kann die 1500 Jahre alte Benedikt-Regel für die heutige Pfarrpastoral bieten? – Abt Maximilian Neulinger vom Stift Lambach lud die Pfarrgemeinderäte der sieben vom Stift betreuten Pfarren zu einem Studientag.
An die 11.000 Katholiken leben im Seelsorgeraum Lambach. Jede der sieben Pfarren leitet ein Mönch aus dem nahen Kloster und gibt ihr – eher mehr unbewusst als bewusst – ein benediktinisches Gepräge. In England dagegen beschäftigt man sich schon seit Jahren mit einer Pfarrpastoral im Geist Benedikts. Um von diesen Erfahrungen zu lernen, holte Abt Maximilian seinen Ordensbruder Dom Alban Hood von der Douai-Abbey. Für den englischen Mönch ist die Pfarre zuallererst Schule des Gebetes. Der Tag eines Mönchs ist vom Gebet geprägt, diese Erfahrungen gilt es mit den Gläubigen zu teilen.
„Göttliche Lesung“. Eine besondere Form des Gebets ist der Umgang mit der Heiligen Schrift. Was die Mönche Lectio divina, wörtlich „göttliche Lesung“, nennen, ist eine Methode der betrachtenden, betenden Meditation von Bibeltexten. Diese Art der Bibellesung, die schon die Wüstenväter übten, wird zurzeit in der Bibelpastoral wieder neu entdeckt als einfacher, aber sehr lebenspraktischer Zugang zur Heiligen Schrift. Dass die Liturgie in einer Benediktinerpfarre einen hohen Stellenwert hat, gilt als selbstverständlich. Besondere Akzente können dies deutlich machen. So wurde es in der Pfarre von Dom Alban üblich, dass fünf Minuten vor dem Gottesdienst in der Kirche Stille herrschte.
Offene Türen. Gastfreundschaft ist ein Schlüsselwort in der Regel des heiligen Benedikt. In der Pfarre wird das in erster Linie heißen, dass der Pfarrhof ein offenes Haus ist. Noch mehr geht es aber um eine Grundhaltung in der Pastoral, betont Abt Maximilian: um eine echte, absichtslose Gastfreundschaft ohne Hintergedanken, etwa Migrant/innen gegenüber oder neu Zugezogenen. Im Kloster würde es niemandem einfallen, Gäste zu irgendetwas zu drängen, sie dürfen einfach dasein. Das gilt auch für die Pfarrarbeit.
Auf die Leute hören. Die Benedikt-Regel beginnt mit dem Wort: „Höre!“ „Reinhören in die Gemeinschaft ist ein Klosterprinzip“, sagt Abt Maximilian. Das ist theoretisch einfach auf die Pfarre zu übertragen, in der Praxis braucht es viel Gespür: aufmerksam sein und hören, was die Menschen wirklich bewegt. Benediktinerpfarren können auch vom weltweiten Netzwerk profitieren, das der Orden mit seinen 8000 Mönchen bildet. Das sprechende Beispiel ist Dom Alban, der seine Erfahrungen aus England mit den Pfarrgemeinderäten des Seelsorgeraums Lambach teilte. „Eine weitere Sicht von Kirche und die damit verbundene Toleranz, vielfältige Formen des Kircheseins anerkennen zu können“, hält Abt Maximilian gerade in der heutigen Situation für ganz wichtig.