Nicht auf die Politik warten, sondern selbst etwas tun
Schwerpunkt Schöpfungsverantwortung in der Pfarre Gallneukirchen
Ausgabe: 2010/09, Politik, Schöpfungsverantwortung, Gallneukirchen, Dopler, Mobilität
03.03.2010
- Paul Stütz
Mit dem Schwerpunkt auf Umweltthemen will die Pfarre Gallneukirchen ihrer Verantwortung gegenüber den nächsten Generationen gerecht werden. Das Maßnahmenpaket reicht von der sparsamen Energienutzung in den Pfarrgebäuden über die sanfte Mobilität bis hin zur Bevorzugung von regionalen Lebensmitteln.
„Christen haben die Verantwortung für die ihnen anvertraute Schöpfung und für die nachfolgenden Generationen“, betont Mag. Klaus Dopler, Pfarrer in Gallneukirchen. Wie wichtig der Pfarre das Thema ist, zeigt sich allein daran, dass über zehn Leute im Fachausschuss Schöpfungsverantwortung mitarbeiten. In einer PGR-Klausur im letzten Herbst wurden Leitsätze erarbeitet, die als Basis für das zukünftige Pfarrleben gelten. Mit Information und Bewusstseinsbildung wollen die Gallneukirchner Sprachrohr für eine nachhaltige Lebensführung sein. Dazu hat die Pfarre etwa eine Checkliste erstellt, die aufweist, wo man in Gallneukirchen regionale, fair gehandelte und umweltverträgliche Lebensmittel bekommen kann. Es gehört zu einem der wesentlichen Eckpfeiler des Schwerpunkts Schöpfungsverantwortung: dass sich die Pfarre zum Kauf von regionalen und fair gehandelten Produkten entscheidet. Zum Beispiel wird die Milch direkt von einem Bauern aus dem Pfarrgebiet bezogen. Egal ob Jungscharlager oder Faschingsfeier, sämtliche Pfarrveranstaltungen sind in diese neue Ausrichtung eingebunden. „Wir haben es uns ausgerechnet. Die meisten Dinge werden dadurch nur geringfügig teurer. Das ist es uns auf jeden Fall wert“, sagt Klaus Dopler.
Nicht auf die Politik warten. Die Devise der Schöpfungsverantwortung ist dabei stets: „Wenn viele Menschen an vielen Orten viele kleine Schritte tun, dann kann sich das Gesicht der Welt verändern.“ Für Klaus Dopler ist das auch eine Erkenntnis aus den gescheiterten Verhandlungen beim Weltklimagipfel in Kopenhagen letzten Dezember: nicht auf die große Politik warten, sondern selbst handeln. Der erhobene Zeigefinger ist jedoch fehl am Platz. „Mir gefällt zum Beispiel nicht, dass alles, was nicht bio ist, böse sein soll“, meint der Priester, der generell auf eine Schwarz-Weiß-Malerei bei den Umweltthemen verzichten will. Dieser Zugang wird im Bereich Mobilität besonders deutlich. Hier formuliert die Pfarre den Leitsatz: „Wir bejahen die für die Menschen notwendige Mobilität.“ Das Auto soll nicht komplett verteufelt werden. Allein weil viele Gallneukirchner mangels schneller Busverbindungen zum Arbeitsplatz nach Linz auf ihren fahrbaren Untersatz angewiesen sind.
Pfarre träumt vom Elektroauto. Sehr wohl weist die Pfarre Gallneukirchen aber auf Wege zu einer möglichst ökologischen Mobilität hin. Und lebt diese vor. Glaubwürdiges Beispiel ist der Pfarrer, der seine Dienstwege im Pfarrgebiet, sofern es die Witterung zulässt, meistens mit dem Fahrrad erledigt. Und wo es noch keine Verkehrsalternativen gibt, macht sich die Pfarre stark dafür. Unterstützt wird deshalb die Forderung nach einer Bahnverbindung von Linz nach Gallneukirchen. Der größte Traum ist aber, ein eigenes Elektroauto für die Pfarre anzuschaffen. Die Gallneukirchner scharren diesbezüglich in den Startlöchern und wollen zuschlagen, sobald die Preise für die Elektroautos auf ein normales Niveau sinken.