Rund 700 Personen traten in Oberösterreich im letzten Jahr wieder in die Kirche ein. Einer von ihnen ist der Pensionist Erich M. Die Dankbarkeit nach einem überstandenen Schlaganfall brachte den 72-jährigen Linzer wieder zurück in den Schoß der Kirche. Ausgetreten war er vor 30 Jahren, weil er seinen Kirchenbeitrag nicht verringern durfte.
Immer weniger Menschen haben Hemmungen, aus der römisch-katholischen Kirche auszutreten. Dennoch: Die Mehrheit der Ausgetretenen will möglichst vermeiden, dass ihr größeres Umfeld von diesem Schritt erfährt. „Von meinem ehemaligen Beruf kennen mich viele Leute, die sollen es nicht wissen, dass ich aus der Kirche ausgetreten war“, sagt auch der 72-jährige Erich M. und will seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen, weil er negative Konsequenzen befürchtet.
Geldsorgen führten zum Austritt. Der Linzer aus der Pfarre St. Franziskus hat vor 30 Jahren der katholischen Kirche den Rücken zugekehrt. Auch seine positiven Erlebnisse während der Jugendjahre beim katholischen Studentenwerk konnten ihn 1978 nicht mehr davon abhalten. „Der Austritt hat ja nichts an meinem katholischen Glauben geändert“, meint der pensionierte Kaufmann heute, der vor allem finanzielle Gründe für seinen Entschluss anführt. „Zu dieser Zeit haben wir als Familie mit zwei Kindern jeden Schilling umdrehen müssen. Ich bin dann zum Kirchenbeitragsreferat, aber dort wollte man mich mit meinem Anliegen nach einer Verringerung des Beitrags unter 1.000 Schilling pro Monat nicht ernst nehmen. Ich hatte das Gefühl, der Kirche geht es nur ums Geld.“ Er sehe sich als ein Kunde der katholischen Kirche, der es sich richten könne. „Mir ist bewusst, dass diese Entscheidung egoistisch war. Obwohl, Schuldgefühle habe ich wegen meines Austritts nie gehabt.“
Freundschaft zum Pfarrer. Und so blieb Erich M. der Kirche für mehr als drei Jahrzehnte fern. Erst Anfang 2009 ist der Pensionist wieder in die Kirche eingetreten. Was den Ausschlag gab für den Sinneswandel? „Ich habe ein freundschaftliches Verhältnis zum Pfarrer Josef Wimmer. Von ihm bin ich behandelt worden, als ob ich immer dabei gewesen wäre, und er hat mich nie gedrängt zurückzukommen. Das habe ich sehr angenehm empfunden.“ Stück um Stück zurück fand Erich M. wieder zurück in die Gemeinschaft der Gläubigen und half sogar manchmal als Ehrenamtlicher in der Pfarre. Ende 2008 hatte der Pensionist dann einen Schlaganfall. „Das war an der Grenze. Aus Dankbarkeit, dass ich überlebt habe, bin ich wieder eingetreten“, sagt Erich M. Angenehm sei es jetzt, dass seine Frau und er gemeinsam so richtig in der Pfarre beheimatet sind. Lange Zeit war es seine Frau, die alleine in der Gemeinde engagiert war. Die Hausfrau blieb in der Kirche genauso wie die beiden gemeinsamen Kinder. „Wir haben sie trotzdem katholisch erzogen.“