Der Pfarrgemeinderat von Sarleinsbach führt in den nächsten Wochen eine groß angelegte Befragung durch. Was die Menschen von der Pfarre wollen und brauchen, was ihnen gefällt und welche Angebote sie vermissen, wird dabei erhoben. Das Ziel: die pfarrlichen Angebote bedarfsgerechter zu gestalten.
Sarleinsbach ist zwar nicht die erste Pfarre, die eine Umfrage unter der Bevölkerung macht. Selten aber dürfte der Einsatz größer gewesen sein als in der Mühlviertler Gemeinde. Rund 50 Helfer/innen tragen 2350 Fragebögen persönlich aus und holen sie wieder ab, um eine hohe Rücklaufquote zu erreichen. Sämtliche Bewohner ab 14 Jahren werden befragt: darüber, was den Menschen am Pfarrleben in Sarleinsbach gefällt, wie die pfarrlichen Angebote beurteilt werden und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Zum Beispiel, ob ihnen bekannte Lieder aus dem Gotteslob oder neue Lieder lieber sind oder wie oft das Pfarrblatt erscheinen soll.
Wer sich kein Angebot findet, geht. Die Bevölkerung soll offen ihre Wünsche äußern und aktiv mitmachen. „Pfarrangehörige verhalten sich gegenüber der örtlichen Kirche immer mehr wie Kunden“, sagt Pfarrgemeinderats-Obmann Franz Eibl: „Sie nehmen an, was gefällt. Und wenn es ihnen nicht gefällt, jammern sie nicht lange, sondern gehen einfach“, ist die Erfahrung von Franz Eibl. Daher sei es umso wichtiger, die Bedürfnisse der Menschen genau und gezielt zu kennen und die Angebote bedarfsgerecht auf die Menschen abzustimmen. Darüber hinaus sollen durch die Umfrage bereits bestehende Angebote bekannter werden.
Der PGR-Obmann Eibl ist selbst einer der 50 Fragebogen-Austräger. Seine Erfahrung nach den ersten Tagen der Umfrage: „Es ergeben sich meistens intensive Gespräche über die Kirche. Ich merke, dass die Stimmung in unserer Pfarre grundsätzlich gut ist.“ Ihn stört es aber auch nicht, wenn offen Kritik geübt wird. „Mit ist es lieber, die Leute kritisieren lautstark, als dass sie uns im Stillen den Rücken zukehren.“
Dass das Interesse am pfarrlichen Leben auch nach der Befragung groß ist, hofft unterdessen Pfarrer Franz Lindorfer: „Es wird wichtig sein, dass sich Menschen bereit erklären, in der Pfarre Aufgaben zu übernehmen. Denn durch Taufe und Firmung ist jeder dazu berufen, aktiv die Gemeinschaft der Kirche und das Leben in der Pfarre mitzugestalten“, lädt er ein.
KOMMENTAR
Sarleinsbach könnte Schule machen
Jeder Kirchenaustritt schmerzt. Egal wie laut und leise es passiert und egal, ob während einer Krise oder in einem ganz „normalen“ Jahr. Nur wenige die austreten, kommen zurück. Bekannt ist auch, dass jene, die austreten, meistens schon vorher ein distanziertes Verhältnis zur katholischen Kirche gehabt haben und quasi nur noch einen Anlass suchen. So oft sich dieser Prozess leider auch wiederholt: Er ist kein Naturgesetz.
Gegen die Distanzierung von der Kirche kann auf pfarrlicher Ebene etwas unternommen werden. Durch gezielte Maßnahmen kann es gelingen, dass sich wieder mehr Menschen von den Angeboten ihrer Pfarre angesprochen fühlen. Das Beispiel Sarleinsbach zeigt, wie es funktionieren könnte. Durch ihre Umfrage will die Pfarre herausfinden, was die Menschen brauchen, und will die Angebote bedarfsgerecht abstimmen. Obwohl es der Mühlviertler Pfarre relativ gesehen noch sehr gut geht, macht das Sinn. Allein das Bemühen um jede Einzelne und jeden Einzelnen zeigt eine positive Wirkung in der Pfarrbevölkerung. Man kann nur hoffen, dass die Strategie der Sarleinsbacher Schule macht.
Denn viel zu oft sind Pfarren abgeschlossene Systeme, die nur den innersten Kreis „bedienen“. Sehr aufschlussreich kann es aber sein, sich mit den Menschen auseinanderzusetzen, die am Rande des pfarrlichen Geschehens leben.
Das heißt nicht, dass mit solchen Werbe- und Marketingmaßnahmen christliche Grundwerte irgendwie zur Diskussion stehen. Vielmehr geht es darum, wieder für kirchliche Angebote zu interessieren. Denn nur wer (wieder) den Weg in seine Pfarre findet, kann für den Glauben begeistert werden.