Wie sich Solidaritätspreisträger Johann Ehrenfellner um seine Mitmenschen kümmert
Ausgabe: 2009/52, Solidaritätspreisträger, Ehrenfellner, Gefängnis, Schuldnerhilfe, Not
22.12.2009
- Paul Stütz
Gelebte Nächstenliebe, das darf nicht bloß ein Schlagwort sein, sagt Johann Ehrenfellner. Der 74-jährige Priester unterstützt Menschen in Notsituationen und schließt damit Lücken im sozialen Netz. Ein Besuch beim Pfarrmoderator von Leonding-Hart-St. Johannes.
„Dumm“, seufzt Manfred S.*: „Ich war einfach so dumm.“ Alkoholmissbrauch, Schulden, Arbeitslosigkeit und immer wieder die neuerliche Flucht vor den Problemen in den Alkohol. „Es war ein Teufelskreis“, sagt der 32-jährige Linzer. Wegen Trunkenheit am Steuer eines gestohlenen Wagens musste Manfred heuer für sieben Monate ins Gefängnis. Erst seit wenigen Wochen ist er wieder frei und hat den festen Vorsatz, sein Leben endlich in den Griff zu bekommen. Helfen wird ihm dabei Johann Ehrenfellner, Pfarrmoderator in Leonding-Hart. Jetzt, ein paar Tage vor Weihnachten, treffen sich der 74-jährige Priester und sein Schützling im Pfarrbüro. Vor sich hat Ehrenfellner einen dicken Aktenordner ausgebreitet, in dem er Manfreds unbezahlte Rechnungen gesammelt hat. „Es ist ein harter Weg, aber wenn du konsequent bist, wirst du es schaffen“, macht der Priester Mut. Nachher wird er Manfred zur Schuldnerhilfe begleiten, wo der Weg in die finanzielle Normalität geplant wird. „Beim ersten Mal bin ich dabei, nachher machst du das selbst. Ich weiß ja, dass du das kannst“, sagt Ehrenfellner.
Besuche im Gefängnis. Seit zwei Jahren kümmert sich der 75-jährige Priester um Manfred. Hat all seine Bemühungen, Hoffnungen und Tiefschläge mitbekommen. Ehrenfellner sagt: „Manfred, ich lass dich nicht fallen. Das habe ich immer gesagt und ich halte meine Versprechen.“ Im Gefängnis hat er ihn regelmäßig besucht, sich dafür eingesetzt, dass Manfred die Zeit hinter Gittern bereits für eine Therapie nutzen kann. Damit Manfred seine Wohnung nicht verliert und damit nach der Freilassung der Neustart leichter wird, zahlte der Priester in dieser Zeit Miete und Betriebskosten.
Solidarische Pfarre. Das Geld für diese Hilfe kommt aus dem Solidaritätsfonds der Pfarre Leonding-Hart. Vor 30 Jahren hat Johann Ehrenfellner den Fonds für Mitmenschen in Not gegründet. Getragen aus den Spenden der Pfarrbevölkerung standen alleine im letzten Jahr rund 10.000 Euro zur Verfügung. Aktuell kommt das Geld rund 40 Menschen zugute. Menschen wie Manfred, die er vor der Obdachlosigkeit bewahrt, oder der alleinerziehenden Mutter, die mit ihren Kindern in der eiskalten Wohnung friert. Ehrenfellner will damit staatliche Unterstützungen nicht ersetzen, sehr wohl aber Lücken im sozialen Netz schließen. Im Gegensatz zu den Behörden kann er rasch und unbürokratisch helfen. Dafür ist der Seelsorger oft bis spät am Abend und am Wochenende errreichbar. Die Menschen spüren, dass hier einer ist, der ein offenes Ohr für ihr Anliegen hat und sie nicht im Stich lässt. Er ist kein Mann der großspurigen Worte, sondern ein Mann der Tat. Ehrenfellner: „Ich wollte immer bei den Menschen sein, wissen, was ihre Sorgen und Ängste sind, und ihnen helfen. Gott liebt alle Menschen bedingungslos und daran will ich mich einfach auch halten.“