Auch über eine Woche nach den Neonazi-Provokationen rund um die Gedenkfeier im ehemaligen KZ Ebensee sitzt den Ebenseern der Schock noch tief in den Knochen. In der katholischen und in der evangelischen Gemeinde hat der Vorfall große Betroffenheit ausgelöst.
„Ja nicht bagatellisieren“, ist der Kommentar von Josef Sengschmid zu den Störaktionen der Jugendlichen im KZ Ebensee. „Das waren keine Lausbubenstreiche.“ Der Pastoralassistent von Ebensee war selbst bei den heurigen Gedenkfeierlichkeiten in Ebensee dabei. Er ist einer der Väter der Städtepartnerschaft mit dem italienischen Prato, woher zahlreiche im KZ Ebensee inhaftierte NS-Opfer stammen. Alle zwei Jahre werden mit Jugendlichen Gedenk-Reisen durchgeführt. Die Begegnungen fördern die Toleranz und weiten den Horizont, wie Sengschmid betont. „Der Ort und die Pfarre stellen sich sehr wohl der NS-Vergangenheit. Das geht meiner Meinung nach momentan etwas unter“, sagt er.
„Jetzt erst recht“. Unter dem Motto „Jetzt erst recht“ will der Theologe die Partnerschaft künftig noch bewusster leben und die Gedenk-Aktivitäten verstärken. Schon am 24. Mai findet in Ebensee eine Kundgebung gegen Rechtsextremismus und für mehr Toleranz statt. Ab 17 Uhr werden im Rathauspark Bürgermeister Herwart Loidl (SP) und Pfarrer Alois Rockenschaub mit Ebenseer Jugendlichen diskutieren. „Ich halte viel davon, ins Gespräch zu kommen“, sagt Pastoralassistent Sengschmid. Es sei zwar schwierig, die betroffenen Jugendlichen aus der rechten Szene zu erreichen, man müsse aber auf jeden Fall Zeichen setzen.
Ausländerfeindlichkeit.<7b> Unterdessen beschäftigt eine Frage die Ebenseer wohl am meisten: Wie konnte es überhaupt zu den schlimmen Vorfällen im KZ-Stollen kommen? Bei der Ursachenforschung ist der Pastoralassistent Sengschmid betont vorsichtig. „Das Problem ist vielschichtig. Ich weiß nicht, ob die Jugendlichen das aus Gedankenlosigkeit gemacht haben oder um bestmöglich zu provozieren.“ Er beobachte aber, dass ausländerfeindliche Aussagen generell salonfähig geworden seien.
Eingreifen der Polizei. „Es gibt bei uns eine latent vorhandene Neonazi-Szene und in Ebensee wurde damit erschreckend verharmlosend umgegangen“, erzählt Martin Eickhoff, evangelischer Pfarrer von Gmunden/ Ebensee. Selbstkritisch meint er, dass auch die evangelische Gemeinde diese Problematik bisher ausgeklammert habe. „Aber es wird jetzt sicher ein Thema werden“, sagt Eickhoff. Von sehr bedenklichen Aktivitäten der rechten Szene, nicht nur in Ebensee, sondern auch in Gmunden, berichtet der Ebenseer Jugendliche Michael*, der aus Angst vor diesen Gruppen seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Michael hat etwa erst kürzlich beim Fortgehen in Gmunden einen Türsteher mit Hakenkreuzgürtel gesehen. Von der Polizei wünscht er sich hier ein Eingreifen. Michael: „Da muss man etwas unternehmen, das darf nicht verharmlost werden.“