Aus Christian wurde vor 25 Jahren Paulus Manlik. Mit seinem Eintritt in das Stift Schlägl bekam er einen neuen Vornamen. Der Ordensmann erzählt, was ihn am Völkerapostel Paulus fasziniert und warum dieser der Pfarrarbeit Impulse gibt.
Der Apostel Paulus ist Mystiker und Theologe, sagt Paulus Manlik: „Diese Verbindung von Zeugnis und Theologie hat mich in ihren Bann gezogen.“ Da ist auf der einen Seite die persönliche Glaubenserfahrung als letzte Begründung seines Handelns und gleichzeitig gelingt es ihm, was er glaubt, in Theologie zu gießen, die jeder vernünftigen Argumentation standhält. Den Prämonstratenser Chorherren Paulus beeindruckt die Leidenschaft seines Namenspatrons, die durch nichts zu bremsen ist: „Wenn man als Pfarrer manchmal ein Motivationstief hat, spüre ich darin einen Ansporn.“
Gemeindeaufbau. Staunen kann man nur, wie der Apostel eine Gemeinde um die andere aufgebaut hat, meint Pfarrer Paulus Manlik. Oft blieb der Apostel nur wenige Monate in einer Stadt und zog in dem Vertrauen weiter, dass die Gemeinde auf eigenen Füßen stehen kann. Es kommt nicht auf die Zahl der Aktionen an, sondern dass man etwas auf ein Fundament stellt, analysiert der Chorherr: „Den Menschen ein Fundament schenken, das war das Geheimnis des Paulus.“
Wie man ein Fundament legt. Der Apostel hat das Fundament durch Reisen, Schreiben und das Gewinnen von Mitarbeitern gemacht, so Paulus Manlik. Das Reisen meint, dass Paulus zu den Menschen hingegangen, auf sie zugegangen ist. Das Schreiben steht für Kontakt pflegen. Und als Drittes – das war die größte Kunst des Paulus – die Fähigkeit, Mitarbeiter zu gewinnen. Darin sieht Paulus Manlik einen konkreten Impuls für die Pfarren: „Die Gemeinden müssen wieder paulinischer werden – die Verantwortung ruht dann auf mehreren Schultern und ist nicht so sehr amtslastig auf eine Person zugeschnitten.“
Paulinisch in den Grundfunktionen. In manchen Bereichen einer Pfarre funktioniert das paulinische Prinzip schon recht gut, es soll aber auch auf höheren Ebenen greifen. Er denkt dabei an die Grundfunktionen einer Gemeinde: den Gottes-, Verkündigungs-, Nächsten-und Gemeinschaftsdienst.
Danke-Kultur. Im Paulus-Jahr hat Pfarrer Manlik in Oepping eine Bibelrunde gegründet, in der die Paulusbriefe im Mittelpunkt stehen. Ohne in die Details der Schreiben zu gehen, finden sich in jedem Brief – mit Ausnahme des Galaterbriefs – zwei charakteristische Elemente: die Fürsorge für die Gemeinde und die Dankbarkeit. „Ich halte das für zwei wichtige Seelsorgetugenden“, so Paulus Manlik: Die Leute sollen die Wertschätzung spüren, die der Seelsorger gegenüber der Gemeinde hat. Und es soll in der Gemeinde eine Kultur des Dankens geben.
Zur Sache
Das Paulusjahr
- 2000-Jahr-Feier der Geburt. Papst Benedikt XVI. hat den Zeitraum vom 28. Juni 2008 bis 29. Juni 2009 zum Apostel-Paulus-Jubiläumsjahr erklärt. Grund ist die 2000-Jahr-Feier seiner Geburt, die von den Historikern zwischen 7 und 10 nach Christus angesetzt wird. Ein Zentrum dieses „Paulus-Jahres“ bildet die Basilika St. Paul vor den Mauern in Rom, wo der Sarkophag verwahrt wird, der nach übereinstimmender Meinung der Fachleute und nach unbestrittener Tradition die sterblichen Überreste des Apostels Paulus enthält. - Informationen zum Paulusjahr unter www.dbk-paulusjahr.de
- Paulus praktisch. Das Vorurteil, dass die Botschaft des Paulus für die Runden- und Gruppenarbeit in Pfarren zu schwierig sei, hält sich hartnäckig. Wer aber auf die Materialsammlung des Linzer Bibelwerks schaut, wird eines Besseren belehrt. Besonders nachgefragt wird die Broschüre „Paulus und die Frauen“. Ein zusätzliches Highlight ist das Online-Spiel „WebMillionPaulus“. - www.dioezese-linz.at/bibelwerk
- Maria Neustift. Die Pfarre bringt den Apostel Paulus in die Häuser. Sie hat einen Fotokunstkalender herausgebracht, der Ansichten aus Maria Neustift zeigt. Auf jedem Monatsblatt findet sich ein Satz aus einem Paulusbrief.