Über ein Jahr, nachdem Risse an der Stadtpfarrkirche Urfahr aufgetreten sind:
Ausgabe: 2009/04, Schaden, Stadtpfarrkirche, Urfahr, AEC, Museumsanbau, Gabriel
21.01.2009
- Paul Stütz
Das erweiterte Ars Electronica Center (AEC) ist eines der Vorzeigeprojekte des Linzer Kulturhauptstadtjahres 2009. Während das offizielle Linz das AEC-Gebäude in höchsten Tönen lobt, ist die Freude über den Museumsanbau in der direkt angrenzenden Stadtpfarre Urfahr nicht ganz ungetrübt.
paul StützDie Bauarbeiten haben das Fundament der Kirche geschwächt, wodurch Risse in dem jahrhundertealten Gemäuer entstanden sind und die Glocken monatelang nicht geläutet werden konnten (die KirchenZeitung berichtete in der Ausgabe 4/2007). Das Gebäude ist bis dato unter ständiger Beobachtung. Für eine Schrecksekunde sorgte deshalb, was zum Jahreswechsel während einer Messe passierte. Ein Stück vom Mauerputz brach von der Decke ab und traf eine Gottesdienstbesucherin am Kopf, die jedoch unverletzt blieb.
Kirche musste gesperrt werden. „Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände“, erklärt DI Manfred Gabriel, für den Schadensfall zuständiger Bautechniker in der Diözese Linz. Der extreme Frost führte dazu, dass sich die Risse bei der Seitenkapelle leicht veränderten. Zu spät bemerkt wurde dies, weil zwischen den Feiertagen keine Kontrollen an den eigens angebrachten Messgeräten stattfanden. „Es bestand aber nie Verletzungsgefahr“, betont Gabriel. Von 13. Jänner bis 19. Jänner war die Stadtpfarrkirche nun gesperrt, um die Decke provisorisch zu sanieren. Seit letztem Sonntag ist sie wieder geöffnet. Und: Auch die Glocken können weiterhin normal läuten.
Sanierung erst 2010. Gerade die aktuellen Auswirkungen durch den Frost hätten gezeigt, dass es richtig war, das endgültige Reparieren der Risse zu verschieben, meint Bautechniker Gabriel. „Wir haben den Schaden bewusst noch nicht behoben.“ Im Vordergrund steht deswegen nach wie vor die Sicherung des Gebäudes. „Aus Rücksicht auf die Stadt Linz“ (Gabriel) wird die endgültige Sanierung außerdem nicht im Kulturhauptstadtjahr 2009, sondern erst 2010 über die Bühne gehen. Geklärt ist bereits, dass die Stadt Linz als Bauträger des Ars Electronica Centers für den verursachten Schaden haftet: insgesamt 140.000 Euro.
„Höhere Gewalt“. Fahrlässig sei jedoch nicht gehandelt worden, beteuern die mit dem Fall betrauten Fachleute. Vor allem bei der Donau mit dem Schotter- und Sandgemisch ist der Baugrund sehr schwierig einzuschätzen. „Ob man die Risse überhaupt vermeiden hätte können, traue ich mir nicht sagen. Es war praktisch höhere Gewalt dabei“, will Ing. Manfred Gabriel größere Aufregung vermeiden und das nachbarschaftliche Verhältnis zwischen AEC und Stadtpfarre Urfahr nicht gefährden. Zum Ausdruck kommen sollen die guten Beziehungen übrigens bei der heurigen Fronleichnamsprozession der Stadtpfarre Urfahr. Diese wird mit einer großen Feier am Dach des AEC-Zubaues enden.