Am 8. August 2008 ist Rudolf Höglinger aus Santiago de Compostela zurückgekehrt, wohin er im April zu Fuß aufgebrochen war. Obwohl schon vier Monate wohlbehalten zu Hause beschäftigt ihn doch täglich der Jakobsweg.
Nicht zu wissen, was einen am Abend erwartet, jeden Abend aufs Neue eine Schlafstätte suchen zu müssen, diese Erfahrung hat den 66-jährigen Rudolf Höglinger tief geprägt: „Es ist ein tägliches Herbergsuchen, ein tägliches Bethlehem. Da bekommt man eine neue Sicht auf Flüchtlinge. Ich weiß, dass ich eine Heimat habe, diese Menschen nicht.“ Die Monate als „Fußgänger“ haben ihn auch der Natur näher gebracht, erzählt er. Das Schritttempo schafft eine besondere Verbindung mit der Erde und macht sensibel für die Umgebung. .
Mit der KirchenZeitung. Es steigt Demut vor der Schöpfung auf, man geht förmlich jedem Kriechtier aus dem Weg, um es nicht zu zertreten, sagt Höglinger: Nebel, Schneefall und Hitze werden zur Herausforderung. Aber das ist die Spiritualität des Weges, die eine gewisse Gelassenheit mit sich bringt. Der Körper lernt diese Strapazen anzunehmen. Pilgerwege sind ja ähnlich dem Lebensweg. Sie sind nicht geschaffen, ein Stück Land rasch hinter sich zu lassen, sondern dieses zu spüren und mit allen Sinnen zu erleben und zu ergehen. Der Jakobsweg war für den Pilger aus Katsdorf nicht irgendein Wanderweg: „Oft verspürte ich die Kraft dieses uralten Weges.“ Kurz vor seinem Aufbruch am 17. April erschien die KirchenZeitungs-Beilage Inpuncto „Pilgern“. Das Heft pilgerte mit Höglinger bis nach Santiago. Heute zählt es zu seinen wertvollen Pilgerandenken und wird in seinem Pilgerzimmer, das er sich einrichten möchte, einen Platz finden.