Einzelk?mpfer Dorfwirt Franz Rockenschaub
mit dem Fahrrad unterwegs.
Die „Athletik“ hatte in der Geschichte viel mit Religion zu tun. „Wettkampf“ prägt seit alters her das Abendland.
Ein Mann im Rollstuhl – und das bei einem Vortrag über den „Sport als Weg der Selbsterkenntnis“. Dr. Christoph Etzlstorfer war 17, als es passierte. Ein missglückter Salto im Turnsaal. Christoph war querschnittgelähmt. Nicht nur der Wirbel, die Welt war für ihn zusammengebrochen. Zunächst jedenfalls. Der Sport hat Christoph geholfen, sich wieder aufzurappeln. „Ich mußte Ziele setzen.“ So lernte er, den Rollstuhl allmählich nicht mehr als Behinderung zu sehen. Dr. Etzlstorfer wurde Universitäts-Assistent. Mit Spezial-Rollstühlen hat er in den letzten eineinhalb Jahrzehnten immer wieder Medaillen für Österreich geholt. Mehrfach war er Weltrekordhalter im Rollstuhl-Marathon, dazu viele Medaillen. „Im Sport kann man Gefühle der verschiedensten Art erleben.“ Beim letzten großen Bewerb, der Olympiade in Sydney, wurde er nur um 2 Zentimeter geschlagen – das nach 42 Kilometern. Auch damit umzugehen verlangt nach Geist. Körper, Seele und Geist gehören zusammen, ist er sich sicher.
Zwischen Selbsterfahrung und Selbstzerstörung
Körper, Seele und Geist – darum ging es am Freitag, 8. November an der Theologischen Privatuniversität in Linz beim „Dies academicus“. Eine kritische und zugleich offene Ausschau einer Wissenschaft, bei der es sonst um Geist und Seele, vielleicht auch das Herz geht, aber kaum auf die Muskeln ankommt. Zu Unrecht?„Hauptsache, es läuft etwas“, charakterisierte Rektor Dr. Ilse Kögler modernes Lebensgefühl. So lange der Körper beweglich ist, scheint alles halb so schlimm. Markus Hochgerner (Wien) hat als Therapeut viel mit Sportlern zu tun, vor allem dann, wenn es Probleme gibt. Sport kann vieles im Menschen aktivieren, sagt er. Wer Sport treibt, kann sich besser spüren. Gesundheit, Wohlbefinden zu fördern: Das ist die gute Seite des Sports. Bewegung hilft, Spannungen und Überspannungen abzubauen. Es gibt aber auch, meint der Therapeut, einen „vernichtenden Umgang“ mit Sport. Gerade Menschen, die in der frühen Kindheit einen großen Verlust erlitten haben, entwickeln selbstzerstörerische Triebe. Sie betreiben dann besonders viel Sport. Menschen in Extremsportarten seien davon oft betroffen. Ballett-Tänzerinnen litten sehr häufig unter krankhaften Essstörungen. Extremkletterer wären überdurchschnittlich oft von Magersucht betroffen. Bei extremen Kampfsportarten sieht Hochgerner oft die Tendenz: Sie sehen nicht den Körper, „der ich bin“, sondern den Körper, „den ich habe“. Sie benutzen, missbrauchen ihn. „Auch über den Körper und seine Erfahrungen kann ein Mensch zu Gott finden“, zog Prof. Dr. Karl-Heinz Braun Bilanz aus der Kirchengeschichte. Das ständige Wetteifern – so Braun – kennzeichnet die Kultur des Abendlandes und kommt bis heute in den Alltag hinein zum Tragen. Das allerdings stehe auch in Spannung zum Christentum. Dieses hätte eine deutliche „Option für die Schwachen und Unterlegenen“ entwickelt, wie das besonders in der Niederlage Jesu am Kreuz zum Ausdruck komme. Ähnlich sieht es auch der Pastoraltheologe Mag. Helmut Eder. Sport kann helfen, Grenzen kennen zu lernen, kann wertvolle Gruppen-Erfahrungen vermitteln. Aber: „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, zitiert er den berühmten Theologen Martin Buber.