Mit einem bunten Fest auf dem Stephansplatz und einem stark besuchten Nachgebet im Dom startete in Wien die internationale „Städtemission“.
Im Jahr 2000 vereinbarten die Erzbischöfe von Wien, Paris, Lissabon und Brüssel ein bemerkenswertes Projekt: Ab dem Jahr 2003 soll jedes Jahr in einer dieser Metropolen eine „Stadtmission“ durchgeführt werden. Begleitet und weiterentwickelt wird das Projekt durch den „Internationalen Kongress für eine neue Evangelisierung“, der jeweils während der Missionshöhepunkte in den Städten stattfindet. Er ist gleichzeitig ein Forum der Begegnung und ein „Marktplatz“ zum Austausch von Erfahrungen. Überdies sollen die Kongressteilnehmer/-innen auch ganz praktisch an Projekten der jeweiligen Stadtmission mitarbeiten. Der erste Kongress findet vom 23. Mai bis 1. Juni 2003 in Wien statt. An die 3000 Menschen werden erwartet. Das Interesse geht weit über die vier beteiligten Städte hinaus. Mit der internationalen Projektkoordination wurde die Gemeinschaft Emmanuel beauftragt. Diese 1972 gegründete, charismatisch geprägte Erneuerungsbewegung hat sich in den letzten Jahren mit einer frischen und jungen Form von Gemeindemissionen einen Namen gemacht. In Österreich hat sie unter anderem in Altmünster, Mils, Hohenems, Wien, Baden und Kremsmünster gewirkt.
Kein kurzes Strohfeuer
In Wien läuft derzeit die Informationsphase für die Stadtmission. In den Dekanatskonferenzen wird das Projekt den Pfarren vorgestellt. Sie werden eingeladen, sich durch konkrete Aktionen, die während des Kongresses ihren Höhepunkt erreichen sollen, an der Mission zu beteiligen. „Wir wollen keine von außen organisierten, abgehobenen Events, die wie ein Strohfeuer abbrennen, sondern konkrete Maßnahmen, die in den Pfarren verankert sind und dort auch nachhaltig weitergeführt werden“, betont Martin Wiesauer. Gemeinsam mit Dompfarrer Anton Faber wurde er als Generalsekretär der Katholischen Aktion von Kardinal Schönborn mit der Koordination der Stadtmission beauftragt. „Wir arbeiten dabei sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung eng mit der Gemeinschaft Emmanuel zusammen. Das ist für beide Seiten eine neue, aber sehr befruchtende Erfahrung“, meint Wiesauer. „Die jungen Leute von Emmanuel bringen viel Schwung und unkonventionelle Ideen im Ansprechen von Menschen ein; die Katholische Aktion hat eine breite Erfahrung, wie man Bedürfnisse oder Nöte von Menschen durch konkrete Hilfe, durch Begleitung oder durch Gruppen auffangen kann.“ Die KA fühle sich durch diesen Prozess aber auch herausgefordert, ihr Wirken als Teil der Kirche in der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, meint Wiesauer. „Wie sieht unser Apostolat aus? Erreichen wir mit unserem Zeugnis die Menschen, geben wir Suchenden etwas von unserer Erfahrung mit Gott weiter? Wo sind unsere Stärken und wo müssen wir Neues versuchen?“
Zu den Menschen gehen
„Unsere Aufgabe sehen wir darin, Pfarren, die das wünschen, bei missionarischen Aktivitäten sowohl bei der Planung als auch bei der Durchführung mit Ideen und Personal zu unterstützen“, betont Martin Fenkart von der Gemeinschaft Emmanuel. „Unser Anliegen ist es, dass die Kirche hinaus zu den Menschen geht, ihnen zuhört und sie einlädt, mit uns die Erfahrung des barmherzigen Gottes zu teilen. Ob das nun ,Grüß-Gott-Aktionen‘ an Wohnungstüren, Gespräche in Cafés, Feste auf Plätzen oder Clubbings in Schulen sind, hängt von den Bedürfnissen der Pfarren ab. Wir haben keine Rezepte, sondern wollen uns gemeinsam mit den Pfarren fragen: Wo würde Christus heute hingehen – nur ins Pensionistenheim oder auch zu den Prostituierten nebenan?“ Für Emmanuel, so Fenkart, sind Jugendliche und Randgruppen besonders wichtige Zielgruppen. Bisher haben bereits 30 der 170 Pfarren der Großstadt Wien ihr Mittun bei der Stadtmission angekündigt.
Neue Offenheit
Zur Sache
„Öffnet die Türen für Christus!“ Unter diesem Motto stand am 4. Mai das Startfest zur internationalen Großstadtmission. Die Kardinäle Schönborn (Wien), Lustiger (Paris), Policarpo (Lissabon) und Danneels (Brüssel) reagierten mit dieser Initiative auf die neue spirituelle und religiöse Suche der Menschen in den Großstädten.
„Das Ziel der Stadtmission ist es, das Evangelium auf neue, bisher ungewohnte Weise unter die Menschen zu bringen. Die Leute müssen nicht erst in die Kirche gehen, um von Gott zu hören, wir gehen zu ihnen – auf Straßen und Plätze, in Caféhäuser oder auch an die Wohnungstüren“, umreißt Anton Faber, Pfarrer am Stephansdom, die „Strategie“. „Als wir vor zwei Jahren in St. Stephan eine Gemeindemission hatten, stellten wir fest, dass die Menschen viel stärker als wir dachten für Gott und religiöse Themen ansprechbar sind. Wir gingen auf die Straßen und haben sie zu einem Abendgebet in den Dom oder zum Besuch unseres Zeltcafés eingeladen. Und wir stießen damit nicht auf Ablehnung, sondern viele sind gekommen, haben mit uns gebetet oder über Gott gesprochen.“ Die von den Meinungsforschern festgestellte „Respiritualisierung“ in den Großstädten habe auch zu einer neuen Offenheit der Menschen geführt, meint Faber. „Sie erwarten, von uns angesprochen zu werden.“ Außerdem sei dieses „auf die Plätze Gehen“ auch ein Vitaminstoß für schon etwas müde gewordene Aktivisten.