Mit einem enormen Aufwand an finanziellen Mitteln und tatkräftigem Einsatz hat Buchkirchen den Pfarrhof erneuert.
Der Pfarrhof von Buchkirchen war derart sanierungsbedürftig, dass im wahrsten Sinn der Worte kein Stein auf dem anderen bleiben konnte.Etwas mehr als 30 Millionen Schilling machten die Kosten aus. Ein riesiger Brocken für eine Pfarre mit etwa 2750 Mitgliedern. Es ist wenig verwunderlich, dass das Bauprojekt das Leben der Pfarre ganz wesentlich geprägt hat. Ohne Unterstützung vom Stift Kremsmünster, der Diözese, von Land und Gemeinde wäre das Projekt unmöglich zu bewältigen gewesen.
40 Jahre ungenutzt
Seit 1960 stand der barocke Bau leer. Damals musste die Landwirtschaft aufgegeben werden. Das Gebäude wurde nur noch fallweise genutzt: etwa für das Erstkommunions-Frühstück oder das Pfarrfest, allerdings nur „provisorisch eingerichtet“, wie P. Christian Haidinger das formuliert.
Hoffnung auf Leben
Jetzt hat er die Hoffnung, dass der „neue“ Pfarrhof auch genutzt wird, und diese Hoffnung ist keineswegs unbegründet. So wartet etwa die Jungschar schon beinahe verzweifelt auf ihre Räume. Die Bibliothek wurde als erster fertiger Teil bereits im Herbst eröffnet. Zwei große Räume sind für die Jugend reserviert. Und im Herbst soll eine SIMA-Gruppe für Senioren Leben ins Pfarrzentrum bringen. Der Kirchenchor freut sich schon auf den Proberaum.
Einen eigenen Raum kann die Katholische Frauenbewegung nützen, genauso die Goldhauben-Frauen, die eng mit der Pfarre verbunden sind.Es sind bereits einige Veranstaltungen geplant, es gibt etwa einen eigenen Ausstellungsraum, und P. Christian Haidinger möchte Pfarrgemeinderats-Klausuren und Einkehrtage im Pfarrzentrum halten.
Besonders stolz ist die Pfarre auf den Meditationsraum, für den Adolf Bachler Fenster und Bilder gestaltet hat. Er hat an einem Abend selbst über sein Werk gesprochen und „ein bisschen die Augen geöffnet für moderne religiöse Kunst“, sagt Eva Plank, Leiterin des Katholischen Bildungswerks Buchkirchen. Von der Wärme und Geborgenheit des Raumes sind alle beeindruckt. Auch die Besucher/innen der WochentagsGottesdienste, die von der Kirche hierher „übersiedelt“ sind.Das Haus soll aber auch überpfarrlich genutzt werden.
Eröffnungsfeier
Nach mehr als vier Jahren Bauzeit ist es so weit: Am 28. und 29. April wird das Pfarrzentrum St. Jakobus in Buchkirchen bei Wels eröffnet. Die Feier beginnt am Samstag, 28. April, um 19 Uhr mit einer Vorabendmesse, gestaltet vom Jugendchor. Um 20 Uhr geben Michaela Aigner am Klavier und Melanie Plank auf der Violine ein Benefizkonzert im Apostelsaal.Am Sonntag, 29. April feiert die Pfarrgemeinde einen Dankgottesdienst mit Abt Oddo Bergmair, gestaltet vom Kirchenchor. Um 10.30 Uhr wird die Ausstellung Buchkirchner Künstler/innen im Pfarrzentrum eröffnet, und um 14.30 Uhr beginnt der Festakt in der Pfarrkirche. Bischof Maximilian Aichern wird das Pfarrzentrum segnen.
Steckbrief:
Das Gemeindewappen von Buchkirchen zeigt zwei silberne Buchenblätter und darüber die goldene Krümme eines Bischofsstabes. Diese Krümme erinnert an die Synode von Mistelbach, einer Ortschaft in der Gemeinde Buchkirchen, die um 990 von Bischof Pilgrim von Passau einberufen wurde und in der die kirchlichen Zehentrechte der Diözese Passau neu geordnet werden sollten. Die Blätter im Wappen stehen für den Gemeindenamen. Erstmals wird 1179 „Puech-chirichen“ erwähnt, in einer Urkunde des Papstes Alexander III. für Kremsmünster.Im Jahr 1218 überließ der Passauer Bischof Ulrich dem Kloster Kremsmünster die Pfarre Buchkirchen zur vollen Nutzung. Ende des 13. Jahrhunderts bildete sich ein eigenes Wirtschaftsamt aus, das vom jeweiligen Pfarrer verwaltet wurde. Es kam mehrmals zu Schwierigkeiten mit der Herrschaft Schaunberg, denn die Kirche von Mistelbach wurde von Passau den Schaunbergern als Lehen übertragen. Erst mit der Gegenreformation (Ende 17. Jahrhundert) kam Buchkirchen voll inden kirchlichen Einfluss von Kremsmünster. Zu dieser Zeit erfolgte auch der Ausbau des heutigen Pfarrhofs unterPfarrer P. Jakob Holz. ImApostelzimmer des Pfarrhofs kann man noch heute sein Portrait betrachten.
Oase des Lebens:
Das Motto für das Pfarrzentrum gilt für die ganze Pfarre
Wer glaubt, die Pfarre Buchkirchen besteht „nur“ aus Menschen, die an der Restaurierung des Pfarrhofs arbeiten, irrt gewaltig. Der erste „Beweis“, wie sehr die Räumlichkeiten des Pfarrhofs erwartet wurden, ist die Bibliothek. Sie wurde im Herbst 2000 eröffnet. „Wir haben von Monat zu Monat mehr Entlehnungen,“ sagt erfreut Johann Schachinger, der Leiter der Bibliothek. Im März 2001 wurden zum Beispiel 692 Bücher verliehen.
Gelebte Ökumene
Im Vorstand des „Vereins zur Revitalisierung des barocken Pfarrhofs“ ist auch der evangelische Gemeindearzt engagiert. Die Zusammenarbeit zwischen der katholischen Pfarre Buchkirchen und der evangelischen Gemeinde in Scharten funktioniert sehr gut. Der ökumenische Arbeitskreis in Buchkirchen war ursprünglich für gemischt konfessionelle Ehepaare gedacht. Zur ökumenischen Weltgebetswoche wird der Sonntagsgottesdienst gemeinsam gefeiert – abwechselnd in der evangelischen und im nächsten Jahr in der katholischen Pfarrkirche. Diese Zusammenarbeit regt beinahe zum Schmunzeln an.
In der Pfarre sind zwei Chöre aktiv: Der Jugendchor besteht seit drei Jahren. Er ist aus der Jungschar entstanden und gestaltet die monatlichen Familiengottesdiens-te, die Firmlingsvorstellungsmesse und die Feier in der Osternacht. Seit 1975 ist Erwin Aigner Leiter des Kirchenchores. Er hat die Singgemeinschaft Buchkirchen in den Chor integriert. Manchmal tritt der Chor als Singgemeinschaft auf.
Das Katholische Bibelwerk Buchkirchen gibt es wieder seit etwa fünf Jahren. Neben dem Schwerpunkt in der Fastenzeit (heuer ein Bibelseminar) organisiert die Gruppe vor allem Einzelveranstaltungen. Einige davon scheinen gleichzeitig im Programm der Katholischen Frauenbewegung auf. „Wir legen Wert darauf, dass wir nicht als Frauen gesehen werden, die nur Putzen und Kochen dürfen“, erklärt Leiterin Eva Plank.P. Christian Haidinger wünscht sich nach den Baujahren mehr Raum für die Liturgie. „Ich bin an meine Grenzen gestoßen“, gesteht er ein. Einige Impulse hat er aber schon gesetzt. In Buchkirchen gibt es einmal im Monat einen Taufsonntag. Unmittelbar nach dem Pfarrgottesdienst werden die Taufen gefeiert, das Taufgedächtnis bereits im Gottesdienst. Die Pfarre und die Familien sollen spüren, dass die Getauften in die Gemeinschaft der Pfarre aufgenommen werden.
Pfarrsplitter:
Jakobsmuschel
Der Pfarr- und Kirchenpatron von Buchkirchen bei Wels ist der heilige Jakobus. Das neue Pfarrzentrum, das durch die Restaurierung des Pfarrhofes entstanden ist, wird ebenfalls nach dem Patron benannt: Pfarrzentrum St. Jakobus. Die Nähe zum Pfarrpatron haben die Buchkirchner/innen nicht zuletzt durch die Pfarrwallfahrt im Jahr 2000 erfahren. Die Pfarre hat sich auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht, zum Grab des heiligen Jakobus. Die Jakobsmuschel wurde auch zum Logo für das Pfarrzentrum.
Weinverkauf
Um ein so großes Projekt wie die Pfarrhofsanierung zu finanzieren, hat sich die Pfarre Buchkirchen auch ungewöhnliche Aktionen einfallen lassen. Eine davon war der Verkauf des „Millenniumsweines“. Verant-wortlich für diese Aktionen war der „Verein zur Revitalisierung des barocken Pfarrhofs“.
Jugend
Eine Jugendgruppe gibt es nicht, sagen die Buchkirchner beim Besuch zur Pfarr-Reportage. Viele sehen das als „wunden Punkt“ in der Pfarre, doch die Jungscharleiterinnen müssen dem widersprechen: Tatsächlich treffen sich Jugendliche im Alter bis zu 16 Jahren regelmäßig zu Gruppenstunden. Das ist in vielen Pfarren nicht selbstverständlich. In Buchkirchen nennen sie sich halt nicht „Katholische Jugend“, sondern sind Mitglieder der Katholischen Jungschar. Und viele übernehmen dann auch eine „junge“ Gruppe.