Der Stuttgarter Betriebsseelsorger Paul Schobel rät: Katholische Arbeitnehmer/innen sollen im Einsatz für eine gerechtere Welt den Spaß nicht vergessen.
Ausgabe: 1999/17, KAB, Schobel
27.04.1999
- Ernst Gansinger
Arbeitslosigkeit, Arbeitsleid, Lohnungleichheit, drohender Verlust des freien Sonntags – was könnte da am 1. Mai, am Tag der Arbeit, zu feiern sein? – Gegen allen Pessimismus machte ein Begegnungstag Mut.
Gemeinsam können wir etwas bewegen, mischen wir uns ein! – Vielfach erklang dieser Akkord der Ermutigung beim Begegnungstag der Katholischen Arbeitnehmer/innen-Bewegung (KAB) am 25. April im Petrinum in Linz. Er trug das Motto „Komm misch dich ein!“ Gezielte Verunreinigungen sollten die Aktionen der Christen sein, dazu rief der Stuttgarter Betriebsseelsorger Paul Schobel auf. „Gezielte Verunreinigung“ ist ein Begriff aus der Halbleiter-Produktion: Chemische und physikalische Vorgänge lassen einen Isolator zu einem durchlässigen Leiter werden. – So sollte es auch bei uns sein. Nur wenige Atome können verändern. „Wir sollten die kapitalistische Politik gezielt verunreinigen, so bringen wir den Strom für mehr menschliche Entfaltung in Fluß!“ –
Die Präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese Linz, Margit Hauft, meinte in ihrem Grußwort, die Gemütsverarmung sei eine ernste Bedrohung unserer Gesellschaft. Den Verlust des inneren Impulses, sich einmischen zu wollen, bezeichnete sie als ein gefährliches Virus unserer Zeit. Der Vorsitzende des ÖGB OÖ., Hubert Wippplinger, nannte die Arbeitslosigkeit eine große Herausforderung für die Politik und mahnte zur Solidarität. Auch die „Gruppe Widerstand“, die das Programm ganz im Sinne des Referenten Paul Schobel auflockerte („Spaß haben“), besang die Einmischung.Mehr als 300 Männer, Frauen und Kinder waren gekommen, tankten Kraft auf und gaben einander Halt im Einsatz für eine menschengerechte Arbeitswelt. Auch im Gottesdienst mit Bischof Maximilian klang dies durch.
In einem Impulsreferat sprach Paul Schobel die massiven Zweifel an, daß Einmischung etwas fruchten kann. – „Was immer wir anfassen, schlagen uns Geldgier und Macht aus der Hand“, benannte er das Ohnmachtsgefühl und wies auf den Krieg am Balkan: Jahrelang riefen Pazifisten „Nie wieder Krieg“ und jetzt das! Dennoch: „Mich trägt der Glaube, daß nichts umsonst in diese Welt hineingetragen ist. Einmischung geht nur gemeinsam. Das gute Gefühl nicht allein zu sein, trägt die Engagierten. Jede Aktion setzt persönliche Betroffenheit voraus und braucht eine Vision, etwa jene des Magnifikats: Die Mächtigen stürzt er vom Thron. “
Engagement schöpft Kraft aus dem Feiern. Wer nicht feiern, lachen, weinen kann, kann auch nicht mehr kämpfen!, machte Paul Schobel Stimmung dafür, daß „unsere Aktionen Spaß machen.“. . . „Wir brauchen die Lacher auf unserer Seite.“