In modernen Zeitgeistströmungen lauert oft rechtsextremes Gedankengut
Ausgabe: 1999/17, Rechtsextremismus, Schweidlenka
27.04.1999
- Matthäus Fellinger
USA, Littleton. Zwei Jugendliche ermorden 13 Mitschüler/innen und begehen Selbstmord. Geschehen ist es am 20. April 1999, Hitlers Geburtstag. Ein neuer Rechtsextremismus bedroht die modernenGesellschaften.
Die Hintertür, durch die der Rechtsextremismus in die Welt zurückkehrt, hat mit Esoterik zu tun. So sieht es der Grazer Experte für Sekten- und Weltanschauungsfragen Dr. Roman Schweidlenka. Auf Einladung des Bildungshauses Schloß Puchberg und der Welser Intitiative gegen Faschismus zeigte er am 16. April in Puchberg auf, wie Rechtsextremismus und Esoterik in einigen ihrer Strömungen zusammengehören.
Ob jemand an fliegende Untertassen glaubt oder nicht, mag eine harmlose Frage sein. In der Esoterik-Szene sind sogenannte UFO’S jedoch sehr wichtige Transportmittel. Die Neo-Nazi-Szene hat sie entdeckt. Auf ihnen kehrt die eigentliche Herrenrasse zurück auf die Erde. Zauberei, Magie, fernöstliche Techniken der Meditation, das alles gehört in die Küche der Esoterik. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft in einer immer unsolidarischeren Welt treibt Menschen in den Bannkreis esoterischer Bewegungen. Da werden die altgermanischen Runen plötzlich interessant; oder es stoßen Menschen auf die „Lehre von den Wurzelrassen“ der russischen „Mutter“ der Esoterik Helena Blavatsky. Auf Atlantis hätte sich vor 18.000 Jahren die Rasse der Arier herausgebildet, lehrte sie im 18. Jahrhundert. Rechtsextremer Rassismus hat in ihrer Lehre eine Wurzel.
NAZI-Größen glaubten an Zauberkulte
In der sogenannten „Thule-Gesellschaft“ wurden ihre Lehren aufgenommen. In dieser Mischung aus Okkultismus und Rassismus hatten spätere NAZI-Größen ihre geistige Heimat und ihre Verbindungen. Heinrich Himmler war einer von ihnen. Er glaubte an magische Zauberkulte und versuchte sie auch einzusetzen. „Das Dritte Reich kann man zwar nicht mit Esoterik erklären“, meint Dr. Schweidlenka. Eine der esoterischen Strömungen weise aber in diese Richtung.Gefährliche Verirrungen ergeben sich auch aus Zeitgeistströmungen, wenn Elemente fernöstlicher Religionen einfach in die westliche Kultur verpflanzt werden.
Da wird dann die indische Karma-Lehre dazu mißbraucht, Leid und soziales Unrecht einfach als selbstverständlich hinzunehmen. Jeder wäre ja aufgrund seines Vorlebens an seiner schlechten Lage selber schuld. Und Juden wären aufgrund ihrer bösen Tat - sie haben Jesus getötet – ebenfalls selber Schuld, den Antisemitismus hätten sie sich so nur selbst zuzuschreiben. So vertritt laut Schweidlenka der Esoterik-Bestsellerautor Jan von Helsing die These, die Juden hätten die Konzentrationslager selbst erfunden, um dadurch die Juden zum Auswandern und zur Gründung des Staates Israel zu bewegen. Rechtes Gedankengut wird oft geschickt getarnt, warnt Schweidlenka, die haarsträubenden Thesen dahinter werden von vielen nicht erkannt.
Was Österreich betrifft, so wirft Schweidlenka dem Staat einen zu österreichischen Weg vor. Bücher, die in anderen Ländern verboten wären, wären hier noch ganz legal zu haben.
Lexikon
Esoterik: Ursprünglich bezogen auf die „inneren Weisheiten“. Seit dem 19. Jahrundert steht der Ausdruck für das, was nicht materiell greifbar oder verstandesmäßig begreifbar ist. Okkultismus: Hat eigentlich die gleiche Bedeutung, meint aber vor allem die dunkle, böse Seite der Esoterik. Spiritismus. Bezeichnet den „Verkehr mit der Geisterwelt.“ Sammelbegriff für Toten- und Geisterbeschwörungen, Tischerlrücken u.ä. Spiritualität. Die Verbindung des Menschen mit dem Seelisch-Geistigen. Spiritualität gehört zu jeder Religion. Magie: Geheimkunst, Kunst der Zauberei.