Besuch bei den Salvatorianerinnen, einer offenen Ordensgemeinschaft
Ausgabe: 1999/16, Salvadorianerinnen, SDS
20.04.1999
- Martin Kranzl-Greinecker
Seit mehr als 100 Jahren wirken Salvatorianerinnen in Österreich. Die österreichische Ordensprovinz macht ein Zehntel aller Schwestern weltweit aus. Die Zukunft ist ungewiß, doch die Schwestern sind zu neuen Aufgaben bereit.
Vier gestandene Frauen im Alltagskleid. Selbstbewußte Frauen, die wissen, was sie wollen. Frauen, die gewohnt sind, aufeinander zu hören und gehört zu werden. Gläubige Frauen, die die Not um sie herum nicht übersehen. Vier Salvatorianerinnen, die über ihr Leben erzählen. Sr. Brigitte ist die jüngste im Kreis. Seit letztem Herbst lebt die gelernte Reisebüroassistentin aus Hallstatt als Novizin in Wien. Ihre Motive zum Ordenseintritt? Sr. Brigitte: „Durch Kontakte zu Ordensleuten entdeckte ich, was ich vorher kaum für möglich hielt: Im Kloster kann Leben gelingen. Die Salvatorianerinnen-Devise Einander heilend begegnen hat mich so angesprochen, daß ich mich ganz in diese Gemeinschaft einbringen möchte. Ich kann die Welt nicht durch große Aktionen beeinflussen. Aber ich kann in der Begegnung mit den Personen um mich der Welt ein gutes Gesicht geben.“ „Heilende Begegnung“, dieses Absicht ist schon im Ordensnamen enthalten, den „Salvator“ meint „Jesus, den Heiland“. Heute sind damit natürlich andere Wege und Methoden gemeint als zu Zeiten der Gründung vor gut hundert Jahren.
Neue Engagements Traditionelle Felder des Ordens sind Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und Altenheime. Mehr und mehr wenden sich die Salvatorianerinnen neuen Aufgaben zu. Die gebürtige Waizenkirchnerin Sr. Maria etwa ist in Wien Erwachsenenbildnerin. Ihr ist wichtig, vor allem die Menschen zu sehen, die zu den Seminaren und Vorträgen kommen. Es geht ihr nicht zuerst um Wissensvermittlung sondern um Herzensbildung und um das Erschließen persönlicher Kraftquellen. „In jedem Menschen stecken innere Quellen. Ich helfe gerne mit, sie freizulegen“, so Sr. Maria, deren leibliche Schwester Teresa ebenfalls Salvatorianerin ist. Mehrere Jahre war Sr. Teresa inhaltliche Leiterin der diözesanen Jugendburg Altpernstein bei Micheldorf. Nun studiert sie in Wien Theologie und lebt in Pitten (NÖ.), wo der Orden die „Oase im Alltag“ anbietet.
„Oase im Alltag“ Menschen, die in der Hektik des Berufes Raum für Gebet und Begegnung suchen, können unbürokratisch in Pitten mitleben. Man teilt das Leben, glaubt gemeinsam. Daneben werden Veranstaltungen, z.B. „Wüstentage“ angeboten. (Kontakt: Tel. 02627/82202) Für einen Orden, der seine traditionellen Werke (Schulen, Kindergärten, Krankenhäsuer) nicht einfach weglegen kann, sind neue Aufbrüche ein Wagnis. Die Provinzoberin Sr. Edith Bramberger steht zur Experimentierfreudigkeit ihrer Mitschwestern. So wie der Gründer P. Jordan ein zukunftsorientierter, weitsichtiger und visionärer Mensch war, soll die Offenheit für neue Aufgaben die Antriebsfeder der Salvatorianerinnen sein. Die Bereitschaft, auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren, macht auch vor alltäglichen Dingen wie Bekleidung nicht Halt. Viele, vor allem jüngere Salvatorianerinnen tragen im Alltag nicht die Ordenstracht sondern Zivilkleidung. Diese Regelung wurde 1993 demokratisch beschlossen. Gemeinsame Entscheidungen werden akzeptiert. „Wir entscheiden solche Fragen eigenständig. Das ist uns viel wert“, stellt Sr. Edith fest. Die anderen stimmen zu. Sie sind eben selbstbewußte, gläubige Frauen.
Salvatorianer/innen Gegründet wurde der Orden der Salvatorianerinnen (Ordensabkürzung: SDS) im Jahr 1888 vom deutschen Priester Johann Baptist Jordan (1848 – 1918). Zuvor hatte er 1881 bereits einen Männerorden, die Salvatorianer, gegründet. Salvatorianische Gemeinschaften wollen „immer und überall, mit allen Mitteln der Liebe den Menschen Jesus, als Heiland, nahebringen“. Dieses Ziel steht auch im Logo der Salvatorianerinnen: Die Weltkugel deutet an, daß niemand von der Zuwendung Jesu (dargestellt im Kreuz)ausgeschlossen sein soll. Weltweit sind ca. 1300 Schwestern im Einsatz.