Die Bombennächte in Jugoslawien lassen auch Nikola Prskalo kaum Schlaf finden. „Was da geschieht, ist mir einfach nicht egal“, meint der aus der Diözese Sarajewo stammende Pfarrer von Linz/St.Theresia.
Radio Belgrad auf Mittelwelle. Stündlich kommen die Meldungen. Wer keine anderen Informationen hört, müßte meinen, die Bundesrepublik Jugoslawien befinde sich auf einem gigantischen Siegeszug gegen die NATO. So wird das Kriegsgeschehen im Kosovo dargestellt. Stündlich hörte Pfarrer Nikola Prskalo in der Nacht, wenn ihn der Krieg nicht schlafen ließ, in seinem Bett in Linz die Nachrichtensendungen ab. In ihm wird alles wieder wach, was er erst vor wenigen Jahren im Bosnienkrieg durchgemacht hat. Mag. Prskalo stammt aus Gornji Vakuf-Uskoplje in der zentralbosnischen Diözese Sarajewo.
Kein Wort vom Kosovo Kein Wort, sagt Prskalo, ist in diesen Sendungen von Flüchtlingen im Kosovo zu hören, nichts davon, daß Menschen verhungern, nichts von Vertriebenen. Vor wenigen Tagen war plötzlich doch die Rede davon, daß es Flüchtlinge gegeben haben muß. Die Serben laden die Kosovo-Flüchtlinge zurück in ihr Land ein, damit sie dann gegen den gemeinsamen Feind kämpfen könnten. So sagt es die offizielle serbische Version. Unerklärlich ist für den Seelsorger auch, wie aus den früheren Tschetnik-Kämpfern auf einmal Kämpfer gegen den westlichen Faschismus geworden sind – denn als solcher wird im serbischen Radio der NATO-Einsatz ständig bezeichnet. „Die Menschen in Serbien haben keine Ahnung davon, was im Kosovo los ist“, meint Prskalo. Die wenigsten Leute in den Dörfern kennen eine Fremdsprache, sodaß sie andere Programme gar nicht hören könnten. Die Bevölkerung könne so die NATO mit ihren Gründen für den Krieg nicht verstehen. Und Prskalo fügt hinzu: „Ich verstehe sie auch nicht, denn ich kenne die Ziele nicht“. Welche politische Lösung die westlichen Staaten mit den Bomben eigentlich erzwingen wollen, ist Prskalo ein Rätsel. „Aber vielleicht wissen das die NATO und die Europäische Union selber nicht“. Eine friedensichernde Rolle einer internationalen Truppe nach dem Muster des SFOR-Einsatzes in Bosnien hält Prskalo aber für notwendig. Ohne diesen Einsatz wäre der Friede in Bosnien völlig undenkbar, meint er. Nikola Prskalo ist im Jahr 1974 nach Österreich zum Theologiestudium gekommen. Nach Hause gekommen ist er in dieser Zeit nicht allzu oft. Die Erfahrungen mit dem kommunistischen Geheimdienst sitzen tief. „Wir haben immer nach links und rechts schauen müssen, ob man einen freien Gedanken sagen kann.“ In den von Restjugoslawien dominierten Gebieten hätte sich daran bis heute nichts geändert. Tief sitzen das Mißtrauen und die Angst in ihm. Die Kosovo-Krise ist gefährlicher, als es die anderen Kriege nach dem Zerfall Jugoslawiens waren. Die Unterdrückungspolitik habe dazu geführt, daß es kaum noch Opposition im Land gibt. Gekoppelt mit einer manipulierten Informationspolitik entstehe so die Sackgasse, aus der ein Ausweg immer schwieriger wird. Daß die Österreichhilfe jetzt koordiniert abläuft, ist für Prskalo ein positives Moment. So könne viel wirksamer geholfen werden.