Derzeit sind 8.000 Caritas-Haussammlerinnen und -sammler unterwegs
Ausgabe: 1999/15, Nächstenhilfe, Caritas, Armut
13.04.1999
- Ernst Gansinger
Die Haussammlung, deren Ergebnis für die Hilfe im Inland verwendet wird, ist die wichtigste Spendenquelle für die Caritas. Etwa 19 Millionen Schilling war im vorigen Jahr das Ergebnis für die Caritas der Diözese Linz.
Ob das Ergebnis auch heuer wieder so gut wird? – Die Caritas ist in Sorge, schließlich bitten die Haussammler/innen in einer Zeit um Spenden, in der die Kosovo-Tragödie einen zusätzlichen dramatischen Hilfs-Appell hinausschreit. Kosovo-Kriegsnot und Inlandsnot brauchen unsere ungeteilte Hilfe.
Armut in Österreich Die Caritas, wie auch das Sozialministerium sagen, daß etwa 440.000 Menschen in unserem Land arm sind, weitere 650.000 Menschen sind armutsgefährdet. Mehr als 150.000 Kinder sind arm, geht aus dem jüngsten Sozialbericht hervor – meist Kinder aus kinderreichen Familien. „Viele Menschen kommen in komplexe Notsituationen, die nicht einfach zu lösen sind,“ sagt Maria Ehmann, Leiterin der Caritas-Sozialhilfe. Typische Caritas-Fälle untermauern diese Aussage: Einer Alleinerzieherin mit fünf Kindern droht die Delogierung, weil die Alimentezahlungen des Vaters nur unregelmäßig kommen und ihr Lohn aus der Halbtagsbeschäftigung auch nicht reicht . . . Eine fünfköpfige Bauernfamilie gerät nach dem Brand ihres Wohngebäudes, bei dem der neunjährige Sohn schwerste Verbrennungen erleidet, in finanzielle Schwierigkeiten. Denn die Krankenkasse kommt nur zum Teil für die langwierigen Hauttransplantationen auf . . . Eine chronisch kranke Frau braucht ein behindertengerechtes Badezimmer, doch der Kostenzuschuß der Bundessozialhilfe reicht nicht . . . Ein arbeitsloser Alleinerzieher kann die angebotene Schichtarbeit nicht annehmen, weil sich das mit seinen Familienpflichten nicht vereinbaren läßt. So verliert er für acht Wochen die Notstandshilfe . . . Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Probleme und Kinderbetreuungspflichten treten oft kombiniert auf und stürzen die Betroffenen in Not. Der Großteil derer, die sich an die Caritas wenden, ist zwischen 30 und 45 Jahren alt! Die Caritas ist herausgefordert, wo die Politik das Netz zuwenig dicht geknüpft hat. Helfen heißt dann auch für gerechtere Strukturen eintreten, damit Menschen nicht mehr in die Situation kommen, unterstützungsbedürftig zu sein.
Haussammlung-Spenden an Raika (34000) Kto. Nr. 1.245.000
Caritas erhält neues Out-Fit Die Caritas der Diözese Linz bereitet derzeit ihre Umstrukturierung vor, erhält ein neues Organisations-Outfit. Sie will sich damit fit für wachsende Aufgaben machen. Innerhalb der letzten 15 Jahre hat der Leistungsumfang der Caritas enorm zugenommen. Das hängt mit dem Ausbau verschiedener Dienstleistungen (z. B. Familienhilfe, Altenhilfe) zusammen, bei denen die Caritas wie andere Organisationen weitgehend im Auftrag der öffentlichen Hand arbeitet. Der Umsatz stieg von 50 Millionen Schilling auf 500 Millionen, die Mitarbeiter/innenzahl von 200 auf 1100. Bei einer Bereichsleiterkonferenz im Mai werden die Weichen gestellt. Die Caritas will sich als Holding organisieren, wobei die Einrichtungen zu mehreren eigenverantwortlichen Bereichen zusammengefaßt werden.