„Sonnige Grüße“ werden derzeit aus ganz Österreich an Bundeskanzler Viktor Klima gesandt. Die gelb-grünen Boten des Frühlings fordern Arbeitsplätze und Umweltschutz durch Ökosteuern. Zu den Initiatoren dieser Kartenaktion gehört die „ARGE Schöp-fungsverantwortung“.
„Es war für uns eine große Enttäuschung, daß bei der jüngst ausgehandelten Steuerreform allle Vorschläge zur schrittweisen und sozial verträglichen Anhebung der Besteuerung fossiler Energie in der Schublade blieben“, sagt Isolde Schönstein. Als sich diese Entwicklung nach Weihnachten bereits abzeichnete, hat die Vorsitzende der „ARGE Schöpfungsverantwortung“ gemeinsam mit einigen anderen Gruppen die Plattform „Ökosteuern jetzt“ gegründet. In kurzer Zeit haben sich mehr als 50 Organisationen, darunter die Katholische Aktion, die Katholische Frauenbewegung und Jugend, die Sozialakademie und Pax Christi, dieser Initiative angeschlossen.
Das Thema wachhalten Trotz eines breiten Echos in der Öffentlichkeit war die Regierung nicht bereit, in Vorwahlzeiten den seit Jahren geforderten Einstieg in die Ökosteuer zu wagen. „Dabei“, so Isolde Schönstein, „sind sich Umwelt- und Wirtschaftsexperten einig, daß Österreich seine internationale Verpflichtung, die Treibhausgase um 13 Prozent zu senken, ohne Ökosteuer nicht erreichen wird. Außerdem besteht auch Einigkeit darüber, daß eine Ökosteuer, die zur Entlastung der Lohnnebenkosten und zur Förderung alternativer Energieträger bzw. zur besseren Energienutzung eingesetzt wird, zusätzliche Arbeitsplätze schaffen würde.“ Trotz des bitteren Rückschlages hat die Plattform beschlossen, ihre Kampagne für einen ökosozialen Umbau des Steuersystems fortzusetzen. „Wir wollen damit erreichen, daß das Thema nicht wieder sang- und klanglos aus der politischen Debatte verschwindet. Dafür ist ein größeres öffentliches Bewußtsein und das Verständnis der Menschen notwendig.“ Was die Nutzung und Förderung alternativer Energieträger angehe, so Isolde Schönstein, hinke Österreich hinter manchen anderen Ländern weit nach – auch was die beispielhafte Verwendung bei öffentlichen Gebäuden angehe. Daher will die Plattform durch verstärkte Informationstätigkeit, aber auch durch verschiedene Aktionen das Feld für die kommenden politischen Entscheidungen bereiten.
Nicht einmal erwähnt Isolde Schönsteins Einsatz für eine gesunde Umwelt entspringt aus ihrem Glauben. Deshalb ist sie besonders enttäuscht, daß bei vielen Verantwortlichen der österreichischen Kirche das Thema „Erhaltung der Schöpfung“ so wenig Gehör findet. „Da wird zwar dauernd vom umfassenden Lebensschutz gesprochen, aber der spielt sich offenbar nur rund um die Geburt und das Sterben ab. Dazwischen ist ein großer, blinder Fleck.“ Besonders schmerzlich habe sie das beim „Dialog für Österreich“ empfunden: „Im ganzen Prioritätenkatalog wird kein einziges Wort zur Umwelt gesagt. In der Arbeitsgruppe ,Kultur des Lebens‘ war es nicht möglich, dieses Anliegen durchzubringen. Ich frage mich, wo unsere Kirche lebt: Wenn man bedenkt, daß Arbeitsplätze und Umwelt zu den größten Sorgen der Menschen in unserem Land zählen!“ Schönstein hofft nun, daß in der neuen Dialog-Projektgruppe „Soziale Fragen“ auch das Umweltthema endlich einen entsprechenden Platz findet. Zur Sache
Oft nicht gehört Seit zehn Jahren sind in der „ARGE Schöpfungsverantwortung“ engagierte Christen für die Erhaltung der Umwelt tätig. Von der Bischofskonferenz wurde sie beauftragt, die kirchliche Umweltarbeit zu koordinieren.Vor zehn Jahren, nach der 1. Ökumenischen Versammlung in Basel mit dem Thema „Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“ sahen Isolde Schönstein und Gleichgesinnte die Zeit für gekommen, innerhalb der Kirche die Umweltarbeit zu organisieren. Die „ARGE Schöpfungsverantwortung“ wurde als Verein gegründet – als Denkwerkstatt, als Anlaufstelle für Pfarren, Klöster und Diözesen, aber auch als prophetische Stimme. Innerhalb der ersten drei Jahre waren ARGE-Mitarbeiter/innen in mehr als 100 Pfarren bei Informationsveranstaltungen. In einem wissenschaftlichen und einem theologischen Beirat arbeiten viele hochkarätige Experten ehrenamtlich mit. Die Bischofskonferenz beauftragte die ARGE mit der Koordination der kirchlichen Umweltarbeit. Ein Leitbild für Umweltbeauftragte der Diözesen und eine Checkliste für umweltgerechtes Handeln in der Kirche wurde erarbeitet. Umgesetzt wurde davon wenig, bedauert Isolde Schönstein. Vor drei Jahren gab es in Wien ein großes Symposium „Die Kirchen auf dem Weg zur nachhaltigen Energienutzung“. Eine Projektgruppe sollte für die praktische Umsetzung sorgen. Die diözesanen Bauamtsleiter wurden in einer eigenen Tagung informiert. Vom Staat gab es die Zusage einer Rückvergütung von 30 Prozent für kirchliche Umweltmaßnahmen. In jeder Diözese sollten fünf beispielgebende Pilotprojekte umgesetzt werden. Gemacht wurde davon fast nichts, kritisiert Schönstein. Um einen Studientag mit der Bischofskonferenz bemüht sich die ARGE seit sieben Jahren vergeblich. Im Vatikan und im Europäischen christlichen Umweltnetzwerk finde sie mehr Gehör als in Österreich, meint Isolde Schönstein.