Die Glaubenskongretation nimmt Stellung zum Dialog für Österreich
Ausgabe: 1999/14, Dialog, Glaubenskongregation
08.04.1999
- Hans Baumgartner
Bei ihrem Ad-limina-Besuch im November haben die österreichischen Bischöfe im Vatikan auch eine Dokumentation über die Salzburger Dialog-Versammlung übergeben. In einem Brief vom 19. Dezember hat dazu die Glaubenskongregation Stellung bezogen. Einleitend heißt es darin: „Die Kongregation für die Glaubenslehre ist nach sorgfältiger Prüfung zur Auffassung gekommen, daß einige der Vorschläge der in Salzburg abgehaltenen Delegiertenversammlung zum ,Dialog für Österreich‘ lehrmäßige Probleme aufwerfen bzw. nicht mit der gesamtkirchlichen Disziplin übereinstimmen. Mehrere Vorschläge in den Dialoggruppen 3, 4 und 7 stimmen nicht voll mit den lehramtlichen Vorgaben überein oder sind so zweideutig formuliert, daß sie leicht im Widerspruch zur kirchlichen Lehre interpretiert werden können.“ Die wesentlichen Einsprüche der Glaubenskongregation beziehen sich auf Aussagen zur Sexualmoral und zum Frauendiakonat.
Keuschheit und Pille Auf die Formulierung, daß die Kirche Österreichs neben dem „Leit- und Idealbild“ der sakramentalen Ehe auch andere Formen des Zusammenlebens, in denen Liebe, Verantwortung und Treue verwirklicht würden, sowie das Suchen der Jugend um eine „ihr gemäße Form gelebter Sexualität“ respektiere, antwortet die Glaubenskongregation: „Diese Ausführungen unterhöhlen die Lehre der Kirche, wonach einzig und allein die Ehe der Ort der geschlechtlichen Ganzhingabe ist. Vor- und außerehelicher Geschlechtsverkehr ist von der Kirche immer als schwerer Verstoß gegen die Keuschheit bewertet worden …“ Auf die im Dialogtext angesprochenen Bemühungen einer seelsorglichen Hinführung zu einer reifen Sexualität und zu einem Verständnis der Sakramentalität der Ehe wird nur indirekt eingegangen: „Die Sexualität wird auf menschliche Weise nur vollzogen, wenn sie in jene Liebe integriert ist, mit der Mann und Frau sich bis zum Tod vorbehaltlos einander verpflichten.“Einspruch erhebt die Glaubenskongregation auch gegen die Formulierung: „Es steht den Partnern zu, nach Erwägung kirchlicher Weisungen im Sinne verantworteter Gewissensentscheidung die für ihre konkrete Situation am besten geeignete Methode der Empfängnisregelung zu wählen.“ Dagegen heißt es im Brief aus Rom: „Die Kontrazeption ist eine in sich schlechte Handlung, die nicht durch einen Gewissenspruch gut werden kann… Die zitierte Formulierung verrät zudem ein Gewissensverständnis, das von Papst Johannes Paul II. ausdrücklich zurückgewiesen wurde.“Der Vorschlag über die Seelsorge an homosexuellen Menschen enthalte „zweideutige Aussagen“, betont die Glaubenskongregation. „Bei aller Notwendigkeit, die homosexuellen Men- schen in ihrer Würde als Person zu achten und ihnen pastorale Hilfen anzubieten, darf nicht verschwiegen werden, daß homosexuelle Praktiken schwer gegen die Keuschheit verstoßen.“
Wiederverheiratete Zur Pastoral an wiederverheirateten geschiedenen Gläubigen formulierte die Salzburger Dialogversammlung u. a. : „Die persönlich verantwortete Gewissensentscheidung Betroffener, nach sorgfältiger Prüfung – womöglich nach einem Gespräch mit einem Seelsorger – zur Kommunion hintreten zu dürfen, ist zu respektieren.“ „Es ist offensichtlich“, so die Glaubenskongregation, „daß diese Forderung nicht annehmbar ist“, da wiederverheiratete Geschiedene sich in einer Situation befinden, „die dem Gesetz Gottes objektiv widerspricht.“Zur Einführung des Frauendiakonates meint die Glaubenskongregation, daß es hier „disziplinäre Probleme“ sowie „lehrmäßige Bedenken“ gebe.Den Brief in vollem Wortlaut gibt es bei: Kathpress, Postfach 1477, 1011 Wien, Preis: 25 öS (beilegen), oder auf der Webseite: www.kathpress.co.at
Probleme disziplinärer Art „Mehrere Vorschläge der Delegiertenversammlung“, so die Glaubenskongregation, „gehen über die vom kirchlichen Recht geregelte Ordnung hinaus: etwa die Forderung, wiederverheirateten Geschiedenen die Mitarbeit im PGR und die Übernahme von Patenämtern zu ermöglichen; das Votum, laisierten Priestern den Zugang zu allen Diensten und kirchlichen Berufen zu ermöglichen, die auch Laien offenstehen; das Ansuchen, die Mitwirkungsrechte des PGR … weiterzuentwickeln; die Empfehlung an die Bischöfe, sich für die Zulassung von geeigneten verheirateten Männern zur Priesterweihe einzusetzen. Auf die Forderung nach der Priesterweihe der sogenannten ,viri probati‘ hat der Heilige Vater eine indirekte Anwort gegeben, indem er die österreichischen Bischöfe dazu aufgerufen hat, die Identität des priesterlichen Amtes zu unterstreichen… Die anderen Forderungen können nicht in Österreich entschieden werden, weil sie die Disziplin der Gesamtkirche betreffen.“
Zur Sache Der Dialog geht weiter Der Dialog für Österreich geht weiter. Dazu wurden u. a. neun Projektgruppen eingerichtet. Zugleich wird die Reihe der Fachtagungen zu aktuellen Fragen fortgesetzt. Ziel der Projektgruppen ist es, unter Bedachtnahme auf die konkreten Lebenssituationen, die kirchlichen Lehraussagen und die Positionen der Salzburger Delegiertenversammlung „pastorale Orientierungen“ zu erarbeiten. Zudem wollen die Bischöfe bei einzelnen Themen den Dialog mit Rom verstärken.u Wiederverheiratete Geschiedene. Ziel: Österreichweite pastorale Leitlinien. Bis Sommer soll ein erster Textentwurf fertig sein. Leitung: Bischof Klaus Küng. Eine weitere Projektgruppe „Verantwortung aus Liebe“ (Ehepastoral) ist geplant.u Soziale Fragen. Dazu wurden die Projektgruppen „Sonntag und Feiertag“ sowie „Soziale Anliegen“ eingerichtet. Ziel: Umsetzung der Salzburger Anliegen. Leitung: Bischof Maximilian Aichern.u Geistliche Berufe. Ziele: Wege zu einer neuen „Kultur der Berufungen“.Leitung: Weihbischof Alois Schwarz.u Frauen in Kirche und Gesellschaft. Ziel: Förderung des Wirkens der Frauenkommissionen und Frauenforen; Einbindung der Frauen in kirchliche Entscheidungsvorgänge. Leitung: Bischof Egon Kapellari und Margit Hauft (kfb). u Bischofsein heute. Ziel: Erarbeitung eines „Bischofsprofils“ sowie von Modellen zur Bischofsbestellung. Endredaktion bis Herbst 1999. Leitung: Bischof Alois Kothgasser.u Plattform Jugend. Ziel: neue Möglichkeiten für die Mitwirkung Jugendlicher in Kirche und Gesellschaft. Zweites Treffen im Juni 1999. Leitung: Bischof Paul Iby.u Gemeinsam mit der Pastoralkommission werden die Projektgruppen „Neue Wege der Verkündigung“ – Leitung: Erzbischof Georg Eder – und „Leitlinien für das Erwachsenenkatechumenat“ – Leitung: WB Helmut Krätzl – eingerichtet.