Nicht nur in Gesundheits- auch in Erziehungsfragen soll es Hilfe geben
Ausgabe: 1999/14, Mutterberatung
08.04.1999
- Matthäus Fellinger
Ein Kind hat massive Einschlafprobleme. Bei der Mutterberatung kommt das Thema zur Sprache. Die Beraterin vermutet ein gravierendes Erziehungsproblem. Künftig wird sie den Weg zu einer kompetenten Fachberatung in psychologischen Fragen ebnen können. Das neue System der Eltern-Mütterberatung soll viel mehr leisten können als das bisherige bewährte Mutterberatungssystem.Neun von zehn Müttern sind schon heute mit der Mutterberatung, wie sie landesweit angeboten wird, sehr zufrieden. Viel stärker als bisher sollen Eltern dann Hilfe in psychologischen Fragen bekommen. Das bisherige System hatte vor allem die Gesundheitsvorsorge im Auge. Als die Mutterberatung nach dem Ersten Weltkrieg eingeführt wurde, ging es vor allem um eine Maßnahme gegen die hohe Kindersterblichkeit. Jetzt soll sie weiterentwickelt werden. Vor allem wird dann das Augenmerk auf die Früherkennung von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen gerichtet werden. Eltern kämen, so die Beobachtung von Fachleuten im Jugendwohlfahrtsamt, heute vermehrt in Situationen, in denen sie sich in der Erziehung selbst nicht mehr helfen können. Bei solchen Schwierigkeiten möchte die Jugendwohlfahrt des Landes ansetzen, die ja auch für die Mutterberatung zuständig ist, weiterzuhelfen.
Gratis - Fachberatung in den Bezirken Zusätzlich zu den jetzt vorhandenen Mutterberatungsstellen in den Gemeinden wird es dann „Bezirksleitstellen“ geben. Sie sollen nicht nur als Informations-Stellen dienen, sondern auch zum attraktiven Elterntreffpunkt werden; für die Kleinen sollen dort Spielstuben eingerichtet werden. Vor allem finden dort Eltern mit ihren Fragen Fachleute, die sie kostenlos beraten werden. Bei den Öffnungszeiten wird auf Elternfreundlichkeit Wert gelegt. Damit die Unterstützung zu den Kindern kommt, werden von den Eltern-Mutterberatungsstellen aus Hausbesuche durchgeführt. „Nicht, um die Eltern ungebeten zu kontrollieren“, versichert Franz Allerstorfer vom Jugendwohlfahrtsamt. Die Erfahrung zeige, daß es Eltern aufgrund ihrer eigenen Geschichte oft nicht über sich bringen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Wir wollen nicht kontrollieren, sondern entgegenkommen“, betont Allerstorfer. Neben den Bezirksleitstellen wird das bisherige Mutterberatungsnetz ebenfalls mit zusätzlichen Mitteln verstärkt. Wenn sich speziellere Probleme zeigen, soll die Hilfe der Bezirksleitstelle in Anspruch genommen werden können. Für die Eltern wird es so möglich sein, gratis therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bei der Finanzierung helfen Land und Sozialhilfeverbände zusammen .