Um die Theologie der Befreiung - in den 80er Jahren Gegenstand innerkirchlicher Auseinandersetzungen - ist es still geworden. „Weil es gesellschaftliche Gruppen gibt, die daran interessiert sind, eine Theologie zu verleugnen, die die Armut sehen lernt und die Gründe dafür aufdeckt“, meinte der Innsbrucker Pastoraltheologe Franz Weber kürzlich bei einer Tagung für Religionslehrer in Puchberg. Es habe in der Weltgeschichte noch nie so viele Arme gegeben wie heute. Das zu sehen und auch theologisch zu reflektieren, sei wichtig, um nicht dem Irrtum zu erliegen, Caritas und soziales Engagement habe nichts mit dem Glauben zu tun, meinte Weber. Die Option für die Armen, der zentrale Gedanke der aus Lateinamerika stammenden Theologie der Befreiung, sei nicht ein zusätzliches Attribut christlicher Theologie, sondern ihr Herzstück. Sie sei auch keine neue Erfindung, sondern habe in der Kirchengeschichte Lateinamerikas eine lange Tradition, meinte der Kirchenhistoriker Johannes Maier aus Mainz. Der aus der Karibik stammende Theologe Armando Lampe hält es für seine Aufgabe - nach dem Vorbild des Paulus - lateinamerikanische Erfahrung für die ganze Kirche zu übersetzen.