Ausgabe: 1999/11, Geschiedene, Wiederheirat, Kirche
17.03.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Unter dem Motiv christlicher Barmherzigkeit, der Klugheit und in seelsorglicher Offenheit soll in der Kirche mit Geschiedenen, die wieder heiraten wollen, umgegangen werden. Der Priesterat der Diözese Linz hat in seiner Frühjahrstagung vom 11. März einen vom Referat Ehe und Familie im Pastoralamt erarbeiteten Entwurf für die „Orientierungen zur seelsorglichen Begleitung von Geschiedenen“ gutgeheißen. Eine entscheidende Rolle kommt dabei dem seelsorglichen Gespräch zu, durch das eine „eigenständige und gewissenhafte Entscheidung“ ermöglicht werden soll. In der Diözese Linz stehen inzwischen 70 speziell ausgebildete Seelsorger für diese Fragen zur Verfügung. In diesem Gespräch soll der „Werdegang“ der zweiten Beziehung genau besprochen werden. Die neuen „Orientierungen“ sollen aber einer „schlampigen Großzügigkeit“ entgegenwirken. Wenn beide Partner dies wünschen und wenn das nicht eine neuerliche Verletzung des früheren Partners bedeutet, kann „am Ende eines gründlichen Gesprächsvorganges“ die Möglichkeit einer Segensfeier stehen.Es muß aber bei solchen Segensfeiern „klar und deutlich zum Ausdruck gebracht werden, daß es sich dabei um keine kirchliche Eheschließung handelt“, so Familienseelsorger Mag. Franz Harant, der vor dem Priesterrat die „Orientierungen“ erläuterte.Bischof Maximilian Aichern sieht in den erarbeiteten Orientierungen keine endgültige Lösung, die Frage werde die Kirche noch lange beschäftigen. Er erinnerte an die Bedeutung des „christlich gebildeten Gewissens“, wie dies von den Bischöfen schon 1994 zum Ausdruck gebracht worden wäre. Priesterratssprecher Dr. Walter Wimmer sieht in der Pastoral an wiederverheirateten Geschiedenen „eine Gratwanderung, der sich auch Rom bewußt sein muß“.