Santiago de Compostela war das Zeil von Clemens Huber
Ausgabe: 1999/10, Putzleinsdorf, Huber
10.03.1999
- Andrea Prielhofer
Knapp 3.000 Kilometer ging der Putzleinsdorfer Clemens Huber zu Fuß vom Mühlviertel nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens. Für seine Pilgerreise brauchte der Lehrer dreieinhalb Monate.Die schönste Erfahrung auf seinem Weg: Huber hat ein Grundvertrauen in die Menschen und die Religion gefunden. „Immer wenn ich verzweifelt oder kurz vorm Aufgeben war, haben mir Leute geholfen, mich unterstützt und mir Mut zum Durchhalten gemacht“, erklärt er. Trotz diesen Erfahrungen war die Einsamkeit das Schwierigste auf der Pilgerreise. Er war oft den ganzen Tag alleine unterwegs und konnte sich mit niemandem unterhalten. „Im Vergleich dazu war das Wandern, meist acht bis neun Stunden am Tag, nicht so schlimm“, erinnert er sich.Für den Gewaltmarsch hatte Huber kaum trainiert. „Ansonsten habe ich mich über die äußeren Faktoren der Pilgerreise nach Spanien viel zuwenig informiert“, weiß er heute. Hilfe und Unterstützung mit einem PilgerpaßSo wußte er nicht, daß man sich vom Gemeindepfarrer einen Pilgerpaß ausstellen lassen kann um verschiedene Vergünstigungen und Unterstützung der Pfarren am Weg zu bekommen. „Ich habe dann einfach improvisiert und mir in ein Heft Stempel der Pfarren geben lassen in denen ich übernachtet habe. Das hat bewiesen, daß ich wirklich den Jakobsweg gehe und nicht ein Betrüger oder Dieb bin.“ Jugendherbergen, Pfarrhöfe, Klöster und auch Privathäuser dienten dem Pilger als Quartier. Rückschläge gab es immer wieder: „Einmal wurde ich krank und mußte ein paar Tage in einer Jugendherberge pausieren. Ein anderes Mal ging ich barfuß und trat mir prompt einen Dorn ein.“ Die positiven Erfahrungen hoben dies aber auf. „Vor allem die kleinen Sachen entwickelten sich in der Einsamkeit zu wunderschönen Erlebnissen“, sagt Huber. Noch heute schwärmt er begeistert von den kleinen, mystischen und spirituellen Kirchen in Frankreich. Fernsehdokumentation gab den AnstoßDie Gründe für seine Reise waren vielfältig: „Selbsterfahrung, persönliche Geschichtsforschung und Entscheidungshilfe für meine Zukunft waren nur einige.“ Den Anstoß gab eine Fernsehdokumentation über Santiago de Compostela und den Jakobs-Pilgerweg. Die dort beschriebene Offenheit für Religion, Esoterik und die Natur wollte er ebenfalls spüren. „Die Amerikaner wollten unbedingt auf dem Mond landen, und ich wollte unbedingt nach Santiago gehen“, erklärt der Kunst- und Werklehrer lachend.Das Gefühl, nach dreieinhalb Monaten endlich sein Ziel zu erreichen, kann Huber nur schwer beschreiben. „Die letzten Tage traf ich immer mehr Pilger. Als ich dann in Santiago de Compostela angekommen bin, habe ich das zuerst gar nicht realisiert.“ Wichtig war für ihn vor allem der Weg, nicht der Rummel im Wallfahrtsort selbst. „Auch die Urkunde, die jeder nach einem mindestens einwöchigen Pilgerweg erhält, hatte keine große Bedeutung für mich“, erzählt der Pilger. Cruz de Ferro, einer der letzten Berge vor Santiago, machte einen großen Eindruck auf Huber. Seit dem Mittelalter legen die Pilger einen – von zuhause mitgebrachten Stein – zum Kreuz um ihre Sünden zu büßen. „Ich trug in meinem 13 Kilogramm schweren Rucksack auch einen Stein aus dem Mühlvieltel mit“, sagt der Putzleinsdorfer.1999 ist in Santiago ein Heiliges JahrSeit dem Mittelalter wird in Santiago de Compostela der Apostel Jakobus verehrt. Es gehört zu den größten christlichen europäischen Wallfahrtsorten. 1987 erklärte der Europarat den Jakobsweg zur „ersten europäischen Kulturstraße“. Seit Papst Calixtus II. (1129-1124) gelten in Santiago Jahre, in denen der 25. Juli (Fest des Heiligen Jakobus) auf einen Sonntag fällt, als Heilige Jahre. Auch heuer wird ein heiliges Jahr gefeiert. Im Jahr 2000 wird Santiago de Compostela die kulturelle Hauptstadt Europas sein. In den vergangenen Jahren war die Hälfte der Pilger jünger als 30 Jahre. Von 4. bis 8. August veranstalten der Erzbischof von Santiago und die Spanische Bischofskonferenz eine Jugendwallfahrt. Geplant ist ein multikulturelles Fest, das den Dialog der Jugend Europas mit christlicher Spiritualität verbindet.Informationen gibt’s auch im Internet:http://www.peej.99.org.