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Unser Protest muß unüberhörbar werden

Sri Lankas Frauen erfolgreich gegen Privatisierung der Fischfangrechte
Ausgabe: 1999/10, Sri Lanka
09.03.1999
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
100.000 Frauen auf Sri Lanka schuften unter oft menschenunwürdigen Bedingungen, um preiswert Waren für den Markt in Europa zu produzieren. Mit der Aktion „Familienfasttag“ unterstützt die Katholische Frauenbewegung die Arbeiterinnen bei ihrem Kampf um soziale Rechte. Die Kirchenzeitung sprach mit der Rechtsberaterin Marian Nilanthi Perera.Sie reisen in diesen Tagen durch Österreich, um in Frauengruppen, Schulklassen und Betrieben über die schwierige Situation der Arbeiterinnen in den Freihandelszonen Sri Lankas zu berichten. Was erwarten Sie sich davon?Perera: Die Leute sollen wissen, unter welchen Bedingungen ihre Wäsche, ihre Schuhe, ihre Bekleidung in den Freihandelszonen hergestellt werden. Die Frauen arbeiten in den Fabriken täglich bis zu 16 Stunden und haben oft nur eine halbe Stunde Pause. Selbst der Toilettenbesuch ist reglementiert. Sie müssen sich verpflichten, bei Bedarf sofort Überstunden zu leisten, die sie aber nicht immer bezahlt bekommen. Trotz schwerer Arbeit reicht der Verdienst kaum zum Überleben. Die Frauen sind schlecht ernährt und oft krank. Ihre Arbeitsverträge sind befristet, um sich hohe Abfertigungszahlungen und Krankenstände zu ersparen. Die Fabriksarbeiterinnen werden oft als Freiwild angesehen. Sie leben getrennt von ihren Familien, müssen sich meist verpflichten, nicht zu heiraten, damit sie dem Unternehmen voll und ganz zur Verfügung stehen. Sie werden von Männern ausgenützt, sexuell belästigt, und wenn sie spät von der Fabrik in ihr Quartier gehen auch überfallen und vergewaltigt.Warum gehen die Mädchen in die Fabrik arbeiten?Perera: Weil es sonst wenig Verdienstmöglichkeiten gibt. Die traditionellen Einkommensquellen wie Landwirtschaft und Fischfang können die Familien kaum mehr erhalten. Die Frauen sind froh, wenn sie zumindest für einige Zeit eine Arbeit in der Freihandelszone bekommen, denn die ökonomischen Probleme sind gewaltig. Wird dagegen nichts von der Regierung unternommen?Perera: Obwohl eine Frau an der Spitze des Staates steht, werden die Anliegen der Frauen kaum gehört. Die Regierung setzt andere Prioritäten. Es wurde zwar versprochen, eine Charta der Arbeitsrechte zu beschließen, aber aus Angst ausländische Investoren zu verlieren, ist sie bis heute nicht gesetzlich verankert. Die betroffenen Frauen können ihre Anliegen nicht artikulieren. Sie sind stimmlos. Wir müssen sie ermächtigen, gemeinsam für ihre Rechte einzutreten. Als Rechtsanwältin engagieren Sie sich im „Bürgerforum für Entwicklung“ für die Durchsetzung sozialer Rechte. Konnten Sie schon Erfolge erzielen?Perera: Ja, wir konnten die Privatisierung der Fischfangrechte erfolgreich verhindern. Diese sollten von Privatunternehmen zu teuren Preisen an die Fischer verpachtet werden. Wir haben die Fischer über dieses Vorhaben der Regierung informiert, sie zum Widerstand ermutigt und mit ihnen eine Proteststrategie entwickelt. Die erfolgreichen Frauen der FischerEine wesentliche Rolle spielten dabei die Frauen der Fischer. Sie verkaufen die Fische und haben viele Kontakte mit der Bevölkerung. Sie haben ihre Kundinnen über die bevorstehende Preiserhöhung durch die beabsichtigte Pacht informiert und der Bevölkerung klar gemacht, daß diese neue Regelung alle treffen würde. So entstand breiter Widerstand gegen diese Pläne. Breite Kreise der Bevölkerung – auch Bauern und Plantagenarbeiter – unterstützten die demonstrierenden Fischer und die Gesetzesänderung zu Fall gebracht.Wie können Sie den Fabriksarbeiterinnen helfen?Perera: Wir gründen Frauengruppen, in denen die Arbeiterinnen über ihre Probleme reden und gemeinsam nach Auswegen suchen. Wir bieten Bildung, Information über die rechtlichen Möglichkeiten an und unterstützen regionale und weltweite Vernetzung. Wir versuchen, als Alternative zur Fabriksarbeit, die traditionellen Erwerbsmöglichkeiten in der Landwirtschaft und Fischerei durch neue Impulse zu erweitern, so daß es mehr Überlebenschancen für Bauern und Fischer gibt.Mit Spenden alleine ist es nicht getanMachen die Frauen da begeistert mit?Perera: Am Anfang meistens nicht. Es ist eine harte Arbeit, die Frauen zu motivieren. Sie sind zu erschöpft von ihrer Arbeit und oft hoffnungslos. Dabei setzen wir auf den Erfahrungsaustausch mit jenen, die schon erfolgreich einige Zeit in einer Gruppe organisiert sind. Wenn sie erkennen, daß nur gemeinsamer Einsatz die Situation verbessern kann, dann sind sie mit Begeisterung dabei.Es ist wichtig, daß die Frauen spüren, sie werden nicht allein gelassen. Geld als Zeichen der Anteilnahme ist notwendig, denn wir brauchen für den Aufbau von Gruppen und für die Weiterbildung der Frauen finanzielle Mittel. Aber mit der Spende allein ist es nicht getan. Wir müssen uns alle gegen diese Produktionsbedingungen wehren, weil sie ja auch Arbeitsplätze in Österreich kosten. Deshalb ist es wichtig, daß wir weltweit Information und Bewußtseinsbildung über diese Arbeitsbedingungen machen und internationale Kampagnen organisiert werden, wie jetzt die „Kampagne für saubere Kleidung“. Denn der Protest muß unüberhörbar werden.Interview: Eleonore Bayer
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