Abschalten, den Alltag für einige Tage hinter sich lassen, Zeit haben. Ohne Hektik Leben und Lebensgewohnheiten überdenken und überdies auch noch etwas für die Gesundheit tun, dazu eignen sich die Fastenkurse hinter den Klostermauern von Pernegg ganz besonders.Durch die tiefverschneite märchenhafte Winterlandschaft des Waldviertels zieht sich in sanften Kurven die Straße den Berg hinauf. Oben angelangt liegt ruhig und verträumt die Ortschaft Pernegg. Nur wenige Häuser bilden die typische Form des Straßendorfes, wie es in dieser Gegend üblich ist. Etwas außerhalb auf einer Anhöhe steht das Kloster Pernegg. Durch den mittelalterlichen Torbogen gelangt der Besucher in das Innere der Klostermauern zum Gästehaus. Seit September 1994 bietet das Kloster Pernegg die Heilfasten-Kurse an. Durchschnittlich nehmen etwa 500 Gesundheitsbewußte jährlich dieses Angebot in Anspruch. Fasten bedeutet nicht nur VerzichtHeilfasten ist mehr als „Nichts-Essen“. Es bedeutet nicht nur Gewichtsverlust – dieser Aspekt steht in Pernegg ganz im Hintergrund, ist aber eine positive Nebenerscheinung. Heilfasten heißt Loslassen lernen und können, Körper und Geist wieder in Einklang bringen. 7 Uhr morgens. Die Fastengruppe trifft sich im sogenannten Turmzimmer zur Morgenmeditation. Es ist still. Im Hintergrund ertönt Orgelmusik zur Einstimmung. Augen zu. Fastenleiter Hans beginnt mit der Meditation. Die Konzentration ist schwierig, denn vereinzelt hört man das Knurren und Glucksen der Verdauungsorgane der Mitfastenden. Erste hörbare Zeichen des Fastens. Die Gruppe besteht aus 18 Teilnehmer/innen, davon 12 Damen und 6 Herren. Bunt zusammengewürfelt kommen sie aus den unterschiedlichsten Berufen. Da ist zum Beispiel Susanne, eine Architektin aus München, oder Inge, eine Krankenschwester aus Salzburg. Anton sitzt im Rollstuhl und kommt aus Wien. Drei der fastenden Damen haben schon eine Woche Heilfasten hinter sich und nehmen nun die zweite in Angriff. Sie machen voller Freude weiter. Hans und Brigitte begleiten und führen als Fastenleiter durch die kommenden zehn Tage. Beide sind ausgebildete Yogalehrer, Brigitte ist Ernährungsberaterin. Die Motive, eine solche Fastenkur auf sich zu nehmen, sind unterschiedlich. Einige erzählen von ihren positiven Erfahrung aus vorangegangenen Fastenseminaren, andere kommen aus Neugierde. Gesundheit und das Bewußtsein, dem Körper etwas Gutes zu tun, sind weitere Gründe, diese Tage in Pernegg mitzumachen.Bewegung ist wichtigNeben der Nahrungsaufnahme (Kräutertees, Gemüsebrühe und Obstsäfte) wird besonderer Wert auf Bewegung gelegt. Mit Entspannungsübungen im Freien, Wandern, Massagen, Yoga wird das Entschlackungs- und Entgiftungsprogramm abgerundet. Nach der täglichen Morgenmeditation heißt es noch vor dem Frühstück „hinaus in die Natur“. Abwechselnd Spaziergang oder Gymnastik regen den Kreislauf an und bringen ihn in Schwung. Der Wind bläst den Spaziergängern um die Ohren. Da heißt es warm anziehen und los gehts durch die herrliche Winterlandschaft. „Schön, daß die Fastenkurse wieder beginnen. Es tut sich bei uns sonst gar nichts“, sagen die Einheimischen und freuen sich über jeden Gast, der ins Waldviertel kommt. Im Turnsaal treffen sich die Kursteilnehmer zu Yoga. Einige kennen es bereits und führen die Übungen mühelos durch. Die anderen plagen sich. Stöhnen und Stoßseufzer gehen durch den Turnsaal. Es sieht leichter aus als es ist. Ingrid betreibt Yoga bereits seit fünf Jahren. Es scheint, als würde ihr Körper keinerlei Widerstand mehr kennen. Möglichkeiten für Ausflüge rund um Pernegg gibt es viele. Zum einen die Grenzstadt Drosendorf mit ihrer mittelalterlichen Stadtmauer. Zum anderen ein Besuch beim bekannten Kräuterpfarrer Weidinger, der seine Rolle als „Guru“ der Heilkräuterkunde sichtlich genießt. Durch ein abwechslungsreiches Programm ist Heilfasten in Pernegg weder langweilig noch mühsam.GeschichteKloster Pernegg und Stift Geras wurden vom Prämonstratenserorden gegründet. Neben den Chorherren gab es auch Chorfrauen. Gegründet im Jahr 1153 war Pernegg ein solches Kloster. An der Spitze stand eine Priorin. Ihr unterstanden die Chorfrauen, Laienschwestern und Novizinnen. Die Ordenstracht war weiß mit einem äußeren dünnen schwarzen Schleier. Zu den Aufgaben zählten neben dem Gottesdienst die Hausarbeit, die Pflege der Kunst sowie Unterricht und Erziehung der vornehmen weiblichen Jugend.Die Geschichte dieses Chorfrauenklosters endete, als die letzte Nonne 1585 starb. Kloster Pernegg wurde in ein Männerkloster umgewandelt, das bis zu seiner Aufhebung unter Josef II. in ständiger Rivalität zum Stift Geras lebte. Heute ist der Abt von Geras, Univ.-Prof. DDr. Joachim Angerer, auch Oberer des Klosters Pernegg. In den letzten Jahren wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten in Kloster und Kirche durchgeführt. Seit 1994 besteht das Fasten- und Seminarzentrum Pernegg. Geistlicher Leiter ist P. Sebastian Kreit. Administration und Verwaltung liegen in den Händen von Christel Kohlhaas.Was ist Heilfasten?Fasten ist die vollständige Enthaltung von irdischen Speisen. Fasten heißt auch, geistige Nahrung zu sich zu nehmen. Ziel einer solchen Fastenkur ist es, den Menschen für Geist und Körper zu sensibilisieren. Das geschieht wesentlich durch die Ernährung. Vor allem, wenn einige Tage (meistens fünf) nur Kräutertees, Gemüsebrühe und Obstsäfte getrunken werden. Dadurch wird das Ausschwemmen der Giftstoffe im Körper beschleunigt. Fasten bedeutet aber nicht Hunger. Der Körper holt sich Nachschub aus den Reserven, die abgebaut werden sollen. Von besonderem Vorteil ist, daß die Fastenkur im Kloster Pernegg im Rahmen eines Kurses gemacht wird. Störende Belastungen, die zu Hause schnell zum Abbruch des Fastens führen können, fallen hier weg. Der Preis für eine zehntägige Fastenkur beträgt S 7000,–. Informationen und Auskünfte erteilt gerne das Seminar- und Fastenzentrum, 3753 Pernegg, Tel. 02913/614, Fax 02913/614-300.