Anna Steiner aus Matrei in Osttirol ist eine „Aussteigerin“ – und doch ganz Bäuerin. „Wie die EU gekommen ist“, so erzählt sie, „sind wir weitgehend aus dem Markt ausgestiegen. Als kleiner Bergbauer auf den steilen Tauernhängen sahen wir für uns keine Chance, mit den Großen mithalten zu können.“ Die Steiners haben auf Selbstversorgung umgestellt. Was an den in Muttertierhaltung aufgezogenen Fleischrindern und Schafen nicht von ihnen und ihren Gästen benötigt wird, wird über die Genossenschaft verkauft. Was in der EU geschieht interessiert die Landwirtschaftsmeisterin dennoch. „Das mit den niedrigeren Rinderpreisen wird auch uns treffen“, sagt sie. „Noch schlimmer aber wäre es, wenn die ,Wahrungsklausel‘ angetastet würde.“ Sie garantiert den Bergbauern in Extremlagen, daß sie von der EU nicht weniger Förderung bekommen als sie vorher von Österreich bekamen. Die Familie Steiner muß und kann nicht von ihrem Hof leben. Der Ehemann und die Söhne arbeiten auswärts, zum Teil im Ausland. Das bedeutet für Anna viel Arbeit, auch wenn sie die „groben Sachen“ aufhebt, bis die Männer zum Wochenende oder im Urlaub heimkommen. Schwieriger war das schon noch, als die Kinder kleiner waren und ihr Mann auf Baustellen in ganz Österreich arbeiten mußte. „Aber Nebenerwerb und Auspendeln ist das Schicksal vieler in unserer Gegend“, sagt sie. „Man muß nur darauf achten, daß man nicht zuviel Kraft und Geld in die Landwirtschaft steckt, sondern auch noch zum Leben kommt.“ Angst, daß diese Bauernhöfe aufgegeben werden hat Anna Steiner nicht. „Da ist der Druck in den Tallagen durch die hohen Grundstückspreise größer. Und verspekulieren können sich auch die Großen leichter.“Anna Steiner ist Bergbäuerin in Osttirol. „Das ist keine romantische Idylle, wie manche Städter meinen“, sagt sie. „Für das, was wir haben, müssen wir hart arbeiten.“ Aber sie möchte nicht tauschen: „So ein Hof ist ein idealer Platz für Kinder und ein guter Platz, um alt zu werden. Ich finde es auch gut, daß unsere Jugendlichen im Urlaub oder wenn sie der Arbeitsmarkt wieder einmal nicht brauchen kann, heimkommen können und eine sinnvolle Arbeit haben. Und ich schätze meine Selbständigkeit und daß ich gemeinsam mit meinem Mann planen und arbeiten kann.“