Junger irakischer Christ hofft auf Asyl in den USA
„Muß ich zurück, werde ich sicherlich getötet“
Ausgabe: 1999/08, Christ, Irak, USA
24.02.1999
- Andrea Prielhofer
„5 Tage fuhren wir in einem Lkw von der Türkei nach Österreich“, erzählt Tarek. S. Gemeinsam mit seiner Schwester wollte der 17jähriger Iraker in die USA auswandern. Die österreichische Polizei durchkreuzte ihre Pläne: Das Burgenland war für die beiden die vorläufige Endstation.Weil dort kein Platz war, wurden die zwei Flüchtlinge ins Linzer Gefängnis überstellt, wo sie 44 Tage in Schubhaft bleiben mußten. Dank den Bemühungen von SOS-Mitmensch warten sie nun im Flüchtlingsheim in der Rudolfstraße (Linz) auf die Erledigung ihres Asylantrages in die USA.An seine Zeit im Gefängnis erinnert sich Tarek nur ungern: „Wir waren zu fünft in einem kleinen Raum untergebracht.“ Die verschiedenen Nationalitäten machten eine Verständigung unmöglich. Die Lichtblicke der Haft: Die Besuche der Mitarbeiter von SOS-Mitmensch und seiner Schwester, die bei den Erwachsenen untergebracht war. Nur schwer können die beiden die Praxis der Schubhaft verstehen. „Trotz Sprachschwierigkeiten werden wir von den Polizisten und den Menschen hier aber gut behandelt“, versichert der 17jährige. Ganz anders war ihre Situation im Irak: Denn Armut war nicht der Hauptgrund für die Flucht aus ihrer Heimat. Als Christen in einem muslimischen Land litt Tareks Familie unter extrem schlechten Lebensbedingungen. Beschimpfungen, Diskriminierung und Angst standen an der Tagesordnung. Die Christen leiden unter Diskriminierung„Viele Geschäfte verkaufen nichts an Christen. Auf der Straße hat man uns beschimpft und angespuckt“,erzählt seine Schwester.Der Auslöser für ihre Flucht war die Berufung Tareks zu lebenslangem Wehrdienst. Ablehnung und Entsetzen breiten sich bei diesen Erzählungen auf dem Gesicht des Jugendlichen aus. Er will nicht töten und anderen Menschen Gewalt antun. „Wenn wir in Amerika leben dürfen, möchte ich studieren, einen interessanten Beruf ergreifen und friedlich leben“, beschreibt Tarek seine – für Europäer selbstverständlichen – Zukunftspläne. Ausgestanden ist ihre Situation trotz geglückter Flucht noch nicht. Ein Teil der Familie – darunter seine Mutter und eine Schwester – haben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bereits eine neue Heimat gefunden. Doch zwei Schwestern leben noch im Irak. Das ist auch der Grund, warum Tarek weder seinen richtigen Namen verrät noch sich fotografieren lassen will. „Die Ohren von fanatischen Irakis sind überall. Ich will meine Schwestern nicht in Gefahr bringen“, ist er besorgt. Betrügerischer MenschenschmuggelLangsam erholen sich Tarek und seine Schwester von den Strapazen der Flucht. Mit zwei Schleppern kamen sie vom Norden Iraks über die Türkei nach Österreich. Die genaue Reiseroute kennt Tarek nicht „Wir waren ja zu viert im Lastwagen eingesprerrt“, erklärt er. Der Preis für den Menschenschmuggel: 3.000 US-Dollar pro Person. Doch ans vereinbarte Reiseziel – die USA – wurden sie nicht gebracht. „Die Schlepper ließen uns ohne Erklärungen im Burgenland stehen. Daß wir illegal in Österreich sind, wußten wir nicht“, sagt der 17jährige.Am 11. März – Tareks Geburtstag – haben die beiden das erste Hearing für ihren amerikanischen Asylantrag. Sein größter Geburtagswunsch: Eine Einreisebewilligung in die USA.