Eine Ausweitung der Schulnoten auf eine zehnteilige Skala hat der Mittelschüler Kartell-Verband“ vorgeschlagen. Der bekannte Pädagoge Univ.-Prof. Rupert Vierlinger meldet dagegen massive Bedenken an.Leistung vorlegen statt Noten„Direkte Leistungsvorlage“ (DLV) als Alternative zur Ziffernnote sieht vor, daß die Schüler an jedem Schuljahrsende, insbesondere aber bei den Bewerbungen in Schulen und Betrieben am Ende der Pflichtschulzeit in einer Mappe ihre persönlichen Bestleistungen vorlegen - und keine Noten. Vorweg sei gesagt, daß sich in einer Befragung von 90 Firmenchefs 82 % für den Austausch der Noten gegen die DLV ausgesprochen haben, denn „da kann ich genau diejenigen Arbeiten ansehen, die für meinen Betrieb interessant sind“. Der Vorsitzende NAbg. Mag. Kukacka verquickt Noten und Leistung miteinander. Er hält sich, so scheint es, an den deutschen Bundespräsidenten, der 1997 gesagt hat: „Wer die Noten aus den Schulen verbannt, schafft Kuschelecken, aber keine Bildungseinrichtungen für das nächste Jahrtausend.“ Ich habe dem Präsidenten geschrieben, daß dies eine Beleidigung sei für all jene, die einsehen gelernt haben, daß das System der Ziffernnoten keines der Gütekriterien erfüllt, die jedes Meß- und Beurteilungsinstrument erfüllen muß, wenn es nicht auf den Müll geworfen werden will. Uns Lehrern kann es beispielsweise bei bestem Bemühen um Gerechtigkeit nicht gelingen, ein und dieselbe Leistung über die Schulen hinweg gleich zu beurteilen. In meinem jüngsten Experiment haben 200 Experten des oö. Schulwesens auf einen Aufsatz Noten von 1 bis 5 gegeben! Nach wie vor aber werden mit diesem unreinen Besteck schicksalhafte Entscheidungen getroffen und unseren Heranwachsenden Lebenschancen zugemessen oder vorenthalten. Die „Demotivation der leistungsorientierten Schüler“ kommt von den Noten und nicht von ihrer Abschaffung! Die Schulversuche zur DLV bestätigen, daß sich bereits junge Schüler mehr anstrengen, wenn sie ihre Arbeitsergebnisse herzeigen müssen (dürfen!), als wenn die Note genügt.Ausländische Erfahrungen zeigen, daß die Defizite der Ziffernzensur durch eine Erweiterung der Skala, wie es der MKV vorschlägt, nicht eliminiert werden. Der (vermeintliche) Gewinn an Exaktheit wird durch eine zusätzliche Schädigung des Klassenklimas erkauft. Daß die individuelle Leistung die Karriere bestimmt und nicht der Geburtsadel ist eine wichtige Errungenschaft der Demokratie. Die Voraussetzung zur Verwirklichung dieses Prinzips ist aber der freie Zugang zu den Schulen und nicht die Art der Leistungsbeurteilung! Haben sich die Dänen etwa von diesem Prinzip verabschiedet, weil sie bis zum Ende der Pflichtschulzeit keine Noten geben? In einem Lesitungsvergleich haben die dänischen Schüler die unseren deutlich überrundet!