Seit über dreißig Jahren ist die Seelsorge für Menschen in der Arbeitswelt ein wesentliches Element der katholischen Kirche Oberösterreichs. Zehn Betriebsseelsorge-Zentren in den wirtschaftlichen Ballungsräumen des Bundeslandes, das gesamtösterreichisch getragene Bildungshaus Betriebsseminar in Linz und das Referat Betriebspastoral sind die Stützen dieser für Österreichs Kirche beispielhaften Aktivitäten. Das Betriebsseminar in der Linzer Kapuzinerstraße 49 hat seit seiner Gründung 1964 den Auftrag Bildungsangebote am Schnittpunkt Kirche und Arbeitswelt zu entwickeln, das heißt: die Welt in den Betrieben menschlicher zu gestalten. Für die Bildungsarbeit bedeutet dies, Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen, ihre soziale Kompetenz zu ver- bessern und religiöse Erfahrungen anzubieten. Beispielsweise gibt es im Betriebsseminar ein Seminar für Reinigungspersonal, das neben der Stärkung der Persönlichkeit auch fachspezifische Weiterbildung vermittelt. Das Kursprogramm widmet sich aber auch der Aus- und Weiterbildung kirchlicher Mitarbeiter/innen.Zwei Zentren fallen Spatstift zum OpferDie Betriebsseelsorge versteht sich als Kirche in der Arbeitswelt. Zielgruppen sind Arbeitnehmer/innen in Fabriken und Dienstleistungsbetrieben, in Verwaltung, Banken, Supermärkten, in Küchen und Krankenhäusern sowie von Arbeitslosigkeit Betroffene. Zusammenarbeit gibt es mit ÖGB und Arbeiterkammer sowie mit Arbeitsloseninitiativen. Wie andere kirchliche Aufgabenbereiche ist freilich auch die Betriebsseelsorge vom diözesanen Sparkurs betroffen. Zwei Betriebsseelsorge-Zentren (Linz-Ost und BBRZ) müssen ihre Arbeit einstellen, weitere Personalreduzierungen sind angesagt. Ein Faktum, das Heinz Eigner vom Betriebsseelsorgezentrum Linz-Ost traurig stimmt. „Da werden Menschen ihrer kirchlichen Heimat beraubt“, so Eigner. Gespart werde einmal mehr bei denen „ganz unten.“ Auch Betriebspfarrer Hans Gruber beharrt darauf: „Ein Lebensbereich, in dem die Menschen 40 Stunden pro Woche verbringen, muß Gegenstand theologischer Reflexion und seelsorglicher Anstrengung sein.“ So viel Budget von der Betriebsseelsorge abzuziehen sei ein falsches Signal.