Josefine Pachler leitete 50 Jahre land die Weyregger Bücherei
Ausgabe: 1999/05, Pachler, Weyregg
03.02.1999
- Andrea Prielhofer
„Ich wünsche mir eine Bibliothek, damit ich immer lesen kann.“ Schon mit 15 Jahren brachte Josefine Pachler ihren Traum in einem Schulaufsatz zu Papier. Heute erzählt sie stolz, daß ihr Wunsch in Erfüllung gegangen ist: Die 84jährige leitete 50 Jahre lang ehrenamtlich die Bücherei in Weyregg.„Begonnen hat alles 1947/48 im Jugendraum vom Pfarrhof“, erinnert sie sich. Ohne Subventionen, nur mit ein paar Jugendbüchern, stellten ein paar Engagierte – den zu dieser Zeit einzigartigen – Buchverleih auf die Beine. Die Anfangszeit war hart: „Einmal führten wir zu Weihnachten ein Theaterstück auf um an Geld zu kommen“, erzählt Pachler. Mit diesem Geld kauften sie ihren ersten Bücherkasten.Unterstützt wurden Pachler und ihre Kollegin Rosa Ennser von der Pfarre und vom Salzburger Borromäuswerk, wo sie den Großteil der Bücher kauften. „Die Vertreter vom Borromäuswerk berieten uns welche Titel zur Zeit gefragt waren und ermunterten uns, auch Unterhaltungsliteratur in unser Angebot aufzunehmen.“ In den nächsten Jahren wurde die Bibliothek ständig vergrößert und Pachler und ihre Bücher zogen mehrmals um. Das „Linninger Haus“, das Pfarrheim und der Kindergarten waren nur einige Stationen der „Bücherreise“. Das „Linninger Haus“„Erst 1982 wurde die Bibliothek endgültig an ihren jetzigen Standort – das „Linninger Haus“ – verlegt. Das erweiterte Angebot machte sich erfolgreich bemerkbar: „Bei den Sommergästen, die in ihren Heimatstädten meist große Büchereien gewohnt waren, war der Andrang groß“, sagt die gelernte Schneiderin. Auch die amtlichen Stellen wurden auf die kleine Weyregger Pfarrbücherei aufmerksam. So gab es von der Bundesförderungsstelle Bücherspenden, Bund, Land und Gemeinde unterstützten Pachlers Engagement. Die Mitarbeiterinnen konnten einge Fortbildungskuse in Strobl/Wolfgangsee besuchen. Dadurch konnte Pachler die Lesegewohnheiten besser einschätzen. Literarische Klassiker Weyregger Leseratten können sich durch Jugendbücher, Unterhaltungsliteratur, Belletristik und einige Sachbücher wühlen. Auch Klassiker – etwa Storm, Goethe und Schiller – fehlen nicht. „Dieses Angebot wurde meist nur von Schülern, die diese Bücher lesen mußten, genützt“, schmunzelt die Pensionistin.Vieles hat sich in den 50 Jahren geändert, doch eines ist gleichgeblieben: Die Leihgebühr für 14 Tage beträgt auch heute nur 5 Schilling pro Buch. Seltsam, wenn man die Kaufpreisänderungen bedenkt: „Früher haben 20 Bücher zirka 300 Schilling gekostet, heute bezahlt man über 3.000 Schilling“, weiß Pachler. Die Einnahmen werden ausschließlich für den Kauf neuer Bücher verwendet. Insgesamt 4.000 Bücher hat Pachler vergangenes Jahr an die neue Leiterin, Monika Gebetsberger, übergeben. Viele davon sind schon im neuen Computersystem gespeichert. „Ich konnte nicht mehr die ganze Arbeit erledigen“, erklärt Pachler den Grund für ihren Rücktritt. „Der Computer ist ein spanisches Dorf“„Außerdem wird man in meinem Alter schon umständlich und kompliziert, ein Computer ist für mich ein spanisches Dorf.“ Ganz ohne „die Pepperl“– wie sie von den Mitarbeiterinnen liebevoll genannt wird – geht es aber nicht. Oft kommt sie kurz vorbei und hilft, wenn Not am Manne ist. „Weiß man die Buch- oder Kundennummer nicht, muß man nur die Pepperl fragen, sie hat fast alle im Kopf“, sagt die freiwillige Helferin Helga Ebner bewundernd.Ihrer Leseleidenschaft bleibt Josefine Pachler treu. Denn ein Leben ohne Lesestoff kann sie sich nicht vorstellen. „Bücher können Wunder wirken, die Literatur vermittelt ein Hochgefühl“, so ihre Meinung. Für ihr Engagement bekam Pachler eine Auszeichnung vom Landeshauptmann, auch der Titel Konsulentin wurde ihr verliehen. Viel mehr freut sie aber die Anerkennung ihre ehemaligen Kunden. „Noch heute bekomme ich Briefe von früheren Touristen, denen die Bücher weitergeholfen haben.“In ihrer wohlverdienten Freizeit möchte sie nun endlich das tun, wozu sie während ihrer Arbeit zuwenig Zeit hatte – Lesen. „Meine Lieblingsautoren sind Donna Leon, Thomas Bernhard, Alois Brandstätter und Ingrid Noll.“