In den letzten fünf Jahren sind die Geburtenraten in Österreich um mehr als 15 Prozent zurückgegangen. Die Sparpakete sind eine der Ursachen. Was noch alles dahintersteckt, soll eine Studie zu Tage bringen.Anfang der 90er Jahre haben die Geburtenzahlen in Österreich einen deutlichen Ruck nach oben gemacht. Vor allem die Ausdehnung des Karenzgeldes auf zwei Jahre hat es vielen Familien leichter gemacht, ein zweites oder weiteres Kind zu bekommen. Mit den beiden Sparpaketen wurde bei den Familien viel radikaler als bei anderen gesellschaftlichen Gruppen der Rotstift angesetzt. Das Karenzgeld wurde de facto um ein halbes Jahr gekürzt, da die Väterkarenz aus finanziellen Gründen kaum angenommen wird, die Geburtenbeihilfe wurde gestrichen, die Familienbeihilfe um 100 Schilling vermindert und bei Studenten äußerst rigoros an den „Erfolg“ geknüpft. „Gerade für junge Familien war das nicht bloß ein äußerst schmerzhafter Griff in die meist ohnedies knappe Haushaltskasse“, sagt der Familienforscher Helmut Schattovits. „Durch die öffentliche Debatte mußten die Familien den Eindruck gewinnen, daß Kinder ,privater Luxus‘ sind, den sich die Öffentlichkeit nicht mehr in diesem Ausmaß leisten kann.“ Daß es im nächsten Jahr vermutlich mehr Todesfälle als Geburten geben wird, und daß die Fruchtbarkeitsquote auf den statistischen Tiefstwert von 1,3 Kinder pro Frau gesunken ist, habe etwas mit dieser Politik zu tun, meint Schattovits – aber nicht nur (s. Kasten). Ob durch das vom Verfassungsgericht erzwungene Familienpaket – es bringt je 250 Schilling Erhöhung pro Kind und Monat in den Jahren 1999 und 2000 und einen Zuschlag für sozial schwächere Familien ab dem dritten Kind – das Pendel wieder anders ausschlägt, getraut sich niemand zu sagen. Mehr Wahlmöglichkeit„Geld, Betreuungseinrichtungen, Teilzeitarbeitsmöglichkeiten etc. haben“, so Schattovits, „sicherlich einen Einfluß darauf, ob junge Paare ihren Kinderwunsch auch realisieren können.“ Daß in Österreich immer noch 65 Prozent aller Frauen und Männer zwei und mehr Kinder wollen, sei ein großes Humankapital, daß man nicht mit Geld kaufen könne, das man aber austrocknen könne, wenn es an den notwendigen Unterstützung fehlt, meint Schattovits. „Um die Rahmenbedingungen aber besser als bisher gestalten zu können, müssen wir uns sehr genau anschauen, wieweit die heutigen Instrumentarien der Familienpolitik dem rasanten gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Ich denke, wir stehen da mit unseren Methoden, die möglichst viele über den selben Kamm scheren und in die gleichen Verhaltensmuster drängen wollen, ziemlich alt da. Das entspricht nicht einer Gesellschaft mit sehr unterschiedlichen Lebensentwürfen“, betont Schattovits. Er fordert daher Instrumentarien, die die soziale Abgeltung der Kinderbetreuung bei möglichst großer Wahlfreiheit der Eltern sicherstellen. Der Familienscheck könnte so ein Instrument sein. Dazu gehört beispielsweise aber auch, die Wirtschaft zu motivieren, das Humankapital der Mitarbeiter stärker zu fördern, wie das mit dem Familienaudit-Modell versucht wird.