5,4 Prozent Geburtenrückgang im Jahr 1997, 4,5 Prozent in den ersten zehn Monaten des letzten Jahres – diese Zahlen haben nun auch die Politik alarmiert. Bei der Suche nach den Ursachen stellte sich heraus, daß es keine eindeutigen Antworten gibt. Auch unter den Bevölkerungsexperten gibt es unterschiedliche Sichtweisen zur Fruchtbarkeit. Deshalb soll nun eine umfassende Studie gemacht werden. Österreich ist in Europa mit dem Geburtenrückgang nicht allein. Noch wesentlich dramatischer ist die Entwicklung in den traditionell kinderliebenden Ländern Italien, Spanien und Griechenland. Gerade diese Beispiele zeigen, wirtschaftlich unsichere Rahmenbedingungen für junge Leute spielen bei der Entscheidung zum Kind eine Rolle, sie sind aber nicht allein verantwortlich. Gerade in diesen Ländern setzte der gesellschaftliche Wandel mit Verspätung, aber umso heftiger, ein. Der Familienforscher Helmut Schattovits ist überzeugt, daß der Individualisierungsprozeß, der Ausbruch aus den normierten sozialen Räumen in die Freiheit des selbstbestimmten Lebens auch starke Auswirkungen auf Partnerschaft und Familie hat. „Wir sehen aus allen Umfragen, wie ausgeprägt der Wunsch nach tragenden, dauerhaften Beziehungen bzw. der Wunsch nach Kindern ist. Gleichzeitig sehen wir, wie oft die Realität hinter dem Wunsch zurückbleibt.“ Das sei auch eine Frage an unser Bildungssystem. „Wieweit lernen junge Menschen, daß ein volles Leben nicht gleichbedeutend ist mit Alles-haben- und Überall-dabeisein-Müssen, sondern daß die Freiheit darin liegt, das auswählen zu können, was mein Leben erfüllt?“ Neben dem Ermöglichen (Geld etc.) müßte Familienpolitik auch beim Befähigen ansetzen, meint Schattovits. Deshalb lohnt es sich, wirklich einmal genau hinzuschauen auf die Ursachen des Geburtenrückgangs.