JunglehrerInnen: Keine Sorgenkinder, sondern Wirtschaftsfaktor
Ausgabe: 1999/05, PÄDAK
03.02.1999
- Maria Hauer
Für Junglehrerinnen und -lehrer ist es längst nicht mehr selbstverständlich, ihren erlernten Beruf auch ausüben zu können. Etwa 1000 stehen zur Zeit in OÖ. auf der Warteliste. An der Pädagogischen Akademie der Diözese macht man aus der Not eine Tugend. Die StudentInnen erwerben Qualifikationen auch für andere Berufe. Die Wirtschaft meldet Bedarf an.In der Wirtschaft ist es heute notwendig, daß sich Arbeitskräfte ständig weiterbilden. Dazu braucht es pädagogisch ausgebildete Personen. Wenn JunglehrerInnen auf diese Anforderungen vorbereitet sind, haben sie in der Wirtschaft realistische Chancen. Das sagte der Wirtschaftslandesrat LH-Stv. Dr. Christoph Leitl vergangene Woche bei einer Diskussion an der Pädak. Es soll eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Wirtschaft - Pädak“ geben.Pädak Direktor Dr. Siegfried Wlasaty ist überzeugt, daß Pädak-AbsolventInnen schon jetzt diesbezüglich einiges zu bieten haben. Seit Jahren wird darauf hingearbeitet, daß die Grundausbildung einen gewissen Allround-Charakter hat, sagt Wlasaty. Darüberhinaus können die StudentInnen Zusatzqualifikationen erwerben - wie etwa den Europäischen Computerführerschein - „deren Ergebnisse im außerschulischen Bereich gute Berufsschancen bieten.“ Wlasaty verweist auch auf Beispiele von AbsolventInnen, die bereits eindrucksvoll unter Beweis stellen, daß sie ihre Fähigkeiten auch in anderen Berufen bestens einsetzen. So führt etwa eine Absolventin ein Englisch-Unterrrichtsunternehmen für Volksschul- und Kindergartenkinder.Freilich werden MaturantInnen lange schon genauestens über die Berufsaussichten von LehrerInnen informiert. Wer sich jedoch zum Lehrer berufen fühlt, ist auch durch schlechte Berufsaussichten nicht davon abzubringen, zeigt die Erfahrung. Weiterbildung Das bestätigen auch die beiden Junglehrerinnen vom „ZIP - Zentrum für Innovative Pädagogik“, das an der Diözesanen Pädak eingerichtet wurde und das der Weiterbildung von vorwiegend arbeitslosen und karenzierten LehrerInnen dient.Alles andere als ein Nachteil, muß es auch sein, „wenn Lehrerinnen nicht mehr aus der Schule über eine Schule wieder in die Schule kommen, sondern zwischendurch sehr viel weiter gespannte Erfahrungen sammeln können.“ Auch das kann, wenn es bewußt genutzt wird, eine positive Begleiterscheinung der gegenwärtigen Situation sein, meint der Pädak-Direktor.Erfreut ist man an der Akademie auch über die Zusammenarbeit mit dem AMS, das JunglehrerInnen auch Weiterbildung anzubieten hat, bzw. selbst für Umschulungsprogramme immer wieder pädagogisch ausgebildete Personen braucht. Außerdem bietet das AMS einen Informationstag für 6. Semestrige, um ihnen das ratlose Herumsuchen zu ersparen und Trainings für Bewerbungen. Eine wertvolle Hilfe ist auch die „SALE - Solidaritätsaktion für Arbeitslose Lehrer“, zu der 3000 oberösterreichische LehrerInnen einen finanziellen Beitrag leisten. Die Pädak hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, daß ihre Ausbildung vielfältig einsetzbar ist, „nicht nur im Hinblick auf die Überbrückung von Wartezeit“.