Am 16. Jänner hat Kardinal Dr. Christoph Schönborn zur Abtreibungsthematik eine Erklärung gegeben, die wir im Wortlaut dokumentieren:„Mutter Teresa hat im Zusammenhang mit dem Thema Abtreibung immer gesagt: Tötet die Kinder nicht, gebt sie mir. In diesem Wort der Friedensnobelpreisträgerin kommt der Weg der Kirche zum Ausdruck: Helfen, nicht strafen. Mutter Teresa hat das weltweit tausendfach vorgelebt.Vor kurzem haben wir in der Erzdiözese Wien das 25-Jahr-Jubiläum des Diözesanfonds für Schwangere in Not begangen. Dieser Fonds hat 8.000 Frauen in schwierigen Situationen geholfen, ja zu ihrem Kind zu sagen. Der Weg, wie ihn der Diözesanfonds für Schwangere in Not und die „Aktion Leben“ beschritten haben, ist der Weg der Kirche: Frauen in Not beistehen, damit die Rechte der Frauen und das Lebensrecht der ungeborenen Kinder gleichermaßen geschützt und verwirklicht werden können.In den letzten Tagen ist in der Auseinandersetzung um die Abtreibungspille Mifegyne wieder der Gedanke der Strafdrohung in die Abtreibungsdiskussion eingebracht worden. Diesbezüglich gibt es keinen Beschluß der Österreichischen Bischofskonferenz. Wohl aber hat die Österreichische Bischofskonferenz bei ihrer letzten Vollversammlung im November des Vorjahrs deutlich zu verstehen gegeben, daß die Christen sich niemals mit der sogenannten Fristenlösung abfinden können, weil das menschliche Leben vom Augenblick der Empfängnis an bis zum natürlichen Tod zu schützen ist.Vor wenigen Wochen haben wir das 50-Jahr-Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gefeiert. Das Recht auf Leben ist das ursprünglichste Menschenrecht. Daß das Leben mit der Empfängnis beginnt, ist nicht nur unbestrittene kirchliche Lehre, sondern heute auch Überzeugung der großen Mehrheit der Wissenschaft.Am 23. Jänner jährt sich zum 25. Mal der Beharrungsbeschluß des Nationalrats, mit dem die Fristenregelung in Österreich Gesetzeskraft erlangt hat. Damals wurde eine Reihe flankierender Maßnahmen versprochen, um die Zahl der Abtreibungen möglichst gering zu halten. Von diesen „flankierenden Maßnahmen“ wurden bisher nur wenige realisiert. Deshalb haben auch einige Bischöfe – Kardinal Franz König, die Diözesanbischöfe Maximilian Aichern, Paul Iby, Alois Kothgasser und ich – die Unterschriftenaktion der „Aktion Leben“ unterstützt, mit der auch die Verwirklichung dieser Maßnahmen eingemahnt wurde.Im Sinne des Vorschlags von Familien-Bischof Klaus Küng, eine „Allianz für das Leben“ zu bilden, erscheint es mir dringend notwendig, 25 Jahre nach der Beschlußfassung über die Fristenregelung endlich die flankierenden Maßnahmen zu verwirklichen. Es muß gesellschaftlicher Grundkonsens sein, daß das „Recht auf Leben“ außer Streit gestellt ist und daß Abtreibung keine Methode der Geburtenkontrolle sein kann. In einem der wohlhabendsten Länder der Welt muß es möglich sein, Wege zu finden, um Frauen im Schwangerschaftskonflikt das Ja zum Kind zu ermöglichen."